CfP: Konferenz "Schweden in Mitteleuropa: Auswirkungen, Nachwirkungen und Gedächtnis"

Veranstalter:

Museum Lützen, Schlossstraße 4, D-06686 Lützen

Deutsches Historisches Institut Warschau, Al. Ujazdowskie 39, PL-00-540 Warszawa

Stiftelsen Lützenfonden, Box 53066, SE- 400 14 Göteborg

 

Termin und Ort:

18.–20. Januar 2018

Ratssaal der Stadt Lützen

Seit der Formierung des schwedischen Königtums stellte die nordische Macht einen wichtigen Herrschaftsfaktor für die Regionen an der südlichen Ostseeküste dar. Zu den ursprünglichen Handelskontakten trat eine über die Ostsee hinausgehende Herrschaftsbildung, welche in der Zeit des pommerschen Herzogs Erich seit dem späten 14. Jahrhundert ihren ersten Höhepunkt erreichte. In der Frühneuzeit erhielt sie durch den Zusammenhang mit der Reformation, die Herrschaft der ursprünglich schwedischen Wasa-Könige über Polen-Litauen, die Konflikte innerhalb der Dynastie und die Ausweitung der schwedischen Herrschaft im Baltikum und in Norddeutschland neue Dimensionen und Kontexte. Die Großmachtstellung machte aus Schweden einen Faktor europäischer Politik, zugleich aber auch der transregionalen Kulturverflechtungen in Nord- und Mitteleuropa. Spätestens in den Kriegen des 17. Jahrhunderts verfestigten sich zudem schwedenbezogene Feindbilder und Stereotype in den deutschen, habsburgischen und polnisch-litauischen Ländern. Diese wurden während des so genannten Großen Nordischen Krieges in den ersten beiden Jahrzehnten des folgenden Jahrhunderts weiter ausgebaut und modifiziert, diesmal allerdings mit noch stärkeren regionalen Ausprägungen, etwa in Mitteldeutschland und Polen.

Dem Zusammenbruch der schwedischen Hegemonie im 17. und 18. Jahrhundert und der Beendigung der schwedischen Herrschaft in Pommern folgte jedoch kein Abbruch der Verflechtungen: Im 19. Jahrhundert kam es zur Intensivierung kultureller Kontakte insbesondere zwischen Deutschland und Schweden, und Schweden diente neben Norwegen als Projektionsfläche des deutschnationalen Nordismus. Kontakte und Inspirationen zwischen der schwedischen (einerseits) und der polnischen, deutschen, tschechischen oder litauischen (andererseits) Literatur und Musik prägten die Herausbildung nationalisierter Kulturen. Doch gerade dies geschah auch unter dem prägenden Einfluss des auf Schweden bezogenen Erinnerungsdiskurses, dessen Wirkung teilweise bis in die Gegenwart anhält.

Vor diesem Hintergrund soll die Tagung die schwedische Präsenz in Mitteleuropa in ihren kulturellen und diskursiven Auswirkungen diskutieren. Im Vordergrund stehen daher nicht die „(reale) Geschichte des ersten Grades“ und schon gar nicht die Ereignisgeschichte der schwedischen Herrschaft und Politik in der Region. Vielmehr geht es darum zu fragen, welche nachhaltigen Verflechtungen, Strukturen und diskursiven Figurationen die Verbindungen Schwedens mit Mitteleuropa zur Folge hatten und wie sich diese weiter entwickelten – häufig bereits ohne direkten Bezug auf die ferne nördliche Nachbarschaft. Unter der „Entwicklung“ sollen nicht nur Form- und Inhaltsveränderungen, sondern auch der Wandel der Kontexte und der Funktionalität hinterfragt werden. Da die Beziehung zu Schweden spätestens in der Frühneuzeit für den Großteil von Mitteleuropa relevant wurde, lassen sich zwischen einzelnen Ländern und Regionen sowohl weitgehende Gemeinsamkeiten als auch tiefe Unterschiede (bspw. hinsichtlich der Konfessionalität) beobachten. Auch diese sollen in einer diachronen und synchronen Vergleichsperspektive angesprochen werden. Bei den Untersuchungen der Rolle Schwedens und „der Schweden“ in den Erinnerungskulturen soll vor allem gefragt werden, in welchen Geschichtsnarrativen für welche lokale, regionale, nationale Geschichtskulturen (und ggf. auch staatliche Geschichtspolitiken) sie identitätsstiftend wirksam oder herangezogen wurden. In diesem Kontext können die longue durée Auswirkungen der transregionalen Herrschafts- und Kulturverflechtungen auf das kulturelle Erbe in Mitteleuropa sowie die entsprechenden materiellen wie immateriellen Erinnerungsorte thematisiert werden, wobei die lokale und regionale Musealisierung und Touristifizierung hier eine besondere Perspektive bieten. Eine Thematik für sich stellen jedoch die auf Schweden bezogenen Feindbilder dar, weil die lokal und regional häufig stark nachwirkende Tradition der schwedischen Präsenz durch die Auflösung dieser Feindbilder vereinbar zu sein scheint. Dies würde den Fall Schweden – Mitteleuropa für die imagologischen Studien besonders interessant machen.

Geographisch richtet die Tagung ihren Blick vor allem, aber nicht ausschließlich auf die Länder und Regionen im heutigen Deutschland, Polen, Litauen, Tschechien und Österreich. Einen inspirativen und produktiven Austausch versprechen sich die Veranstalter von der Teilnahme der Vertreter verschiedener Disziplinen wie Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte u.a.    

Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch, wobei Schwedisch und Polnisch als zusätzliche Kommunikationssprachen vorgesehen sind. Eine Simultanübersetzung ist nicht vorgesehen.
Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben.

Für Referenten können die Reisekosten nach den Maßgaben des Bundesreisekostengesetzes übernommen werden.

Anmeldungen mit Vorschlägen für Vorträge von ca. 20–25 Minuten bitten wir bis zum 30.9.2017 an eine der folgenden Adressen zu senden:

Katja Rosenbaum, M.A.
Museum Lützen
Schlossstraße 4
D-06686 Lützen
katja.rosenbaum@stadt-luetzen.de

Prof. Dr. Miloš Řezník
Deutsches Historisches Institut Warschau
Al. Ujazdowskie 39
PL-00-540 Warszawa
reznik@dhi.waw.pl

Dr. Inger Schuberth
Stiftelsen Lützenfonden
Höchelenacker 9
D-53343 Wachtberg
dr.inger.schuberth@t-online.de

23
Aug
Kolloquium
Sofiya Grachova (Zentrum für Holocaust-Studien, München)
Mehr lesen