Konferenz: „Raum“ als Kategorie bei der Erforschung der Geschichte der polnischen Juden (16.–19. Jahrhundert)

Welche Rolle spielt „Raum“ bei der Erforschung jüdischer Akteure und ihrer Aktivitäten? Maria Cieśla (Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften/DHI Warschau) und Ruth Leiserowitz (DHI Warschau/HU Berlin) hatten angeregt, ausgehend von der Vorstellung sozialer Räume im Sinne Henri Lefebvres gemeinsam über räumliche Praktiken, aber auch über Repräsentationen von Räumen nachzudenken und zu diskutieren.

Wissenschaftler/innen aus Deutschland, Israel, Polen sowie den USA diskutierten dieses Thema am 11. und 12. September 2017 bei einem interdisziplinären Workshop, der im Rahmen des Global Education Outreach Program (GEOP) im Museum für die Geschichte der polnischen Juden POLIN stattfand. Der Fokus richtete sich auf die räumliche Verortung jüdischen Lebens in Polen und die Abgrenzung verschiedener Strömungen innerhalb des Judentums sowie des letzteren von anderen Konfessionen auf juristischer, architektonischer und mentaler Ebene. Der Workshop wurde gemeinsam vom DHI Warschau, dem Museum POLIN und dem Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften veranstaltet.

In den vier Panels wurden von den Referent(inn)en sehr unterschiedliche Raumbegriffe vorgestellt, wobei es häufig um die Frage ging, inwieweit sich jüdische Räume innerhalb von christlichen Umgebungen etablieren konnten, wodurch sie markiert waren und welche Ängste und Gegenreaktionen sie gegebenenfalls hervorriefen. 

Dabei wiesen die Quellen aus dem frühneuzeitlichen Forschungszeitraum eine enorme Spannbreite auf. Sie reichten von den Korrespondenzen des Orientalisten Oluf Gerhard Tychsen (Malgorzata Maksymiak) bis hin zu Ritualen von Umschreitungen und Umkreisungen (Gadi Sagiv). Besonders anschaulich war neben einer Präsentation von Ausschnitten aus dem Atlas der Konfessionen und Religionen der Rzeczpospolita in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (Bogumił Szady) die Darstellung räumlicher Verbreitungen des Chassidismus durch Marcin Wodzinski, über die lebhaft diskutiert wurde. 

Gemäß der Grundkonzeption der GEOP-Workshops, die eine starke Verknüpfung zu den musealen Inhalten des POLIN vorsieht, waren Anfangs- und Schlusspunkt der Veranstaltung stark auf die Dauerausstellung bezogen: Sie begann mit einer Führung für die Teilnehmer/innen und endete mit einem Roundtable, der von zahlreichen Mitarbeiter(inne)n des POLIN besucht wurde. Hier konnten die Referent(inn)en die bestehende Einbeziehung räumlicher Dimensionen in die Dauerausstellung analysieren und diskutieren und Veränderungsvorschläge anbringen.

22
Nov
Kolloquium
Maren Hachmeister (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München)
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