Filmreihe "Jahr des Protestes. 1968 im europäischen Kino" in Kielce

1968 betrat eine Generation die kulturelle und politische Bühne, für die „Gleichheit“ und „Freiheit“ keine leeren Phrasen waren. Obwohl sich die Forderungen der protestierenden Studenten in Frankreich, Italien und Westdeutschland von den Erwartungen der jungen Leute in Polen und der Tschechoslowakei unterschieden, verband sie doch der Geist des Widerstands und der Unzufriedenheit mit der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung. Sie sehnten sich nach einem Bruch mit den alten Moralvorstellungen und suchten eine neue Sprache in der Kunst. Was sie unterschied, war die Politik. In Westeuropa begeisterte sich die rebellische Jugend für den Kommunismus, während die aufbegehrenden Bürger Ostmitteleuropas ihn verdammten.

Das Ende der 1960er Jahre verbindet sich nicht nur mit fröhlicher Gegenkultur, Protestsongs und Schlaghosen, sondern auch mit der Erfahrung handfester Gewalt. Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei, die antisemitische Hetze in Polen und die terroristischen Anschläge der Roten Brigaden und der RAF zählen zu den dunklen Seiten jener Jahre. Die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen lösten bei den Gruppen, gegen die sie gerichtet waren, Unruhe und Angst aus.

Ein halbes Dutzend europäischer Länder, vertreten durch ihre Kulturinstitute und/oder Botschaften in Polen (DHI Warschau, die Nationale Filmothek – Audiovisuelles Zentrum, das Institut Français Warschau, das Slowakische Institut Warschau, das Tschechische Zentrum Warschau, das Goethe-Institut Warschau, das Italienische Kulturzentrum und das Marek-Edelmann-Dialog-Zentrum Łódź) präsentierten vom 4. September bis zum 13.September 2018 in Kielce ein gemeinsames Panorama jener Zeit im Spiegel des Spielfilms. Dieses Panorama umfasste auch die Filmkunst selbst, denn das Kino der 1960er Jahre belegt eindrücklich die wichtige und einigende Rolle der Kunst: die Suche nach neuen Ausdrucksformen und mutiger Ästhetik und die Befreiung vom Maulkorb stilistischer Konventionen. Das Jahr 1968 ist ohne die „Neuen Wellen“ im Film nicht zu denken.

24
Sep
Vortrag
Prof. Klaus Oschema, Ruhr-Universität Bochum: Europa-Vorstellungen im Mittelalter – ein Kontinent gewinnt Konturen
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