September 1939 – Auftakt zum Vernichtungskrieg

Zu Beginn des Gedenkjahres an den deutschen Überfall auf Polen zeigt das Deutsche Historische Institut Warschau vom 27. Januar bis zum 22. März im Stadtmuseum Riesa seine viel beachtete Ausstellung „’Größte Härte…’ Verbrechen der Wehrmacht in Polen, September/Oktober 1939“.

Bis in die jüngste Vergangenheit hinein herrschte im deutschen kollektiven Gedächtnis die Vorstellung vor, dass die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges allein von SS- und Polizeieinheiten hinter der Front begangen worden seien, die Wehrmacht dagegen ausschließlich unter Achtung des Kriegsrechts und des Kriegsgegners gekämpft habe. Dass diese Vorstellung ein Mythos war, hatte die historische Forschung bereits lange zuvor gezeigt, doch erst die viel diskutierten Wehmachts-Ausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung haben dies haben in den Jahren 1995 bis 2004 auch einer breiteren Öffentlichkeit eindringlich vor Augen geführt. Allerdings haben diese Ausstellungen zugleich einer anderen Legende Vorschub geleistet, nämlich der Vorstellung, dass sich die deutschen Streitkräfte erst ab Juni 1941 – mit dem Angriff auf die Sowjetunion – an Verbrechen beteiligt hätten.

In Polen ist diese Reaktion mit Verwunderung und Unverständnis aufgenommen worden. Dort ist allgemein bekannt, dass die Wehrmacht bereits in den ersten Kriegswochen des Jahres 1939 Verbrechen an Zivilisten und Kriegsgefangenen beging. Diese während der ersten Kriegswochen begangenen Verbrechen der deutschen Wehrmacht stehen im Mittelpunkt der zusammen mit dem polnischen Institut des Nationalen Gedenkens konzipierten Ausstellung, die seit April 2005 mit großem Erfolg bereits in 15 deutschen Städten sowie in Polen auch in einer polnischsprachigen Version gezeigt werden konnte. Die Ausstellung dokumentiert die Luftangriffe auf polnische Städte sowie die Erschießungen von Zivilisten und Kriegsgefangenen durch die deutsche Wehrmacht im September/Oktober 1939 anhand von Fotographien und Dokumenten aus der Täter- und Opferperspektive und ist bis zum 22. März 2009 im Stadtmuseum Riesa zu sehen.

Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen, der über den Fibre-Verlag bezogen werden kann http://www.fibre-verlag.de/kooperation-03.htm.

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Nov
Kolloquium
Maren Hachmeister (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München)
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