
Historische Forschung in Deutschland
Die Fachbibliothek umfasst einen ca. 5.500 Bände zählenden Bestand an Veröffentlichung über Johann Sebastian Bach und sein Umfeld ab 1800, eine Gesamtausgabe in Noten und auf Tonträgern sowie zahlreiche bibliophile Kostbarkeiten. Wissenschaftliche und praktische Notenausgaben sowie eine umfangreiche Tonträgersammlung ergänzen den Bestand. Das Archiv des Bachhauses beherbergt Autographen von Johann Sebastian Bach, von Künstlern aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Eisenacher Bach-Denkmal oder das handschriftliche Manuskript von Philipp Spitta zum ersten Band seiner Bach-Biografie von 1873. Archiv und Bibliothek sind Wissenschaftlern mit Forschungsanliegen auf Anfrage zugänglich.
Das 1991 gegründete Bayerische Jazzinstitut ist die zentrale Dokumentationsstelle für Jazz in Bayern. In der Präsenzbibliothek des Instituts stehen Bücher, Zeitschriften, Tonträger, Filmdokumente zur Verfügung, aber auch Unterlagen und Materialien von Musikern, Musikunternehmern und Forschern. Von Bedeutung sind die etwa 75.000 Negative aus dem Nachlass des Berliner Pressefotografen Ludwig Binder zur Dokumentation der Berliner Jazztage 1968-1980.
Das Filmarchiv des Bundesarchivs ist eines der größten Archive dieser Art weltweit. Es vereint seit 1990 die Filmreferate des Bundesarchivs und das Staatliche Filmarchiv der DDR. Seit den 1950er Jahren sammelt das Filmarchiv deutsche Wochenschauen, Dokumentarfilme und Spielfilme.
Von den Filmfördereinrichtungen der Länder ist das Bundesarchiv als Archivierungsstelle benannt worden. Wenn die Übergabe einer Kopie an das Bundesarchiv nicht durch Gesetze geregelt ist, wirbt das Filmarchiv um eine Hinterlegung auf freiwilliger Basis. Daneben sammelt das Filmarchiv Dokumente zur Filmgeschichte und besonders zur künstlerischen und technischen Entwicklung des Mediums Film dokumentieren, sowie Filmbegleitmaterialien wie Programme, Fotos, Plakate und Drehbücher. Einzigartig ist die Sammlung von Zensur- oder Zulassungsunterlagen, die oft die letzten Zeugen verschollener Filme sind. Die konservatorische Sicherung der Bestände ist die Hauptaufgabe des Filmarchivs.
Der DEFA-Filmstock umfasst die gesamte Kinoproduktion der DDR-Filmstudios aus fast fünf Jahrzehnten. Dazu gehören Spielfilme, Kurzspielfilme, Animationsfilme, Dokumentarfilme und Wochenschauen, deutschsprachige Synchronisationen ausländischer Filme, sowie
nicht veröffentlichte und Restmaterialien aus der DEFA-Produktion. Die Bestände umfassen außerdem Fotos, Plakate, Drehbücher und ihre literarischen Vorstufen, Werbematerialien, Partituren und Zulassungsunterlagen. Neben den DEFA-Produktionen gehören zum Rechtebestand der DEFA-Stiftung umfangreiche Archive audiovisueller Zeitzeugenberichte. Dazu zählen derzeit das Zeitzeugen-Archiv Thomas Grimm bei der DEFA-Stiftung, das Cintec-Archiv und im Auftrag der Stiftung produzierte Interviews mit Künstlern der DEFA.
Die Fotothek ist ein Universalarchiv der Kunst- und Kulturgeschichte mit den Schwerpunkten Kunst-, Architektur- und Musikgeschichte, Regionalkunde Sachsen, Geographie sowie Technik- und Wirtschaftsgeschichte. In der Datenbank stehen 1.080.000 Bilddokumente sowie 34.000 AV-Medien online zur Verfügung.
Das Sammeln, Erschließen, Restaurieren und Sichern der nationalen und internationalen Filmproduktion sind die Hauptaufgaben des Filmarchivs. Die Sammlung umfasst Filme von 1895 bis heute, darunter Spielfilme, Dokumentarfilme, Experimentalfilme, Animationsfilme. Die Sammlung zielt nicht auf Vollständigkeit; die Filme werden ausgewählt als Beispiele künstlerischer Arbeiten, historischer Dokumente und als Beispiele für die Entwicklung des Mediums. Auf Filmmaterial gesicherte Filme stehen für die wissenschaftliche Sichtung zur Verfügung.
Das Bildarchiv Foto Marburg ist eine national und international agierende Forschungs- und Serviceeinrichtung. Der Auftrag umfasst die Sammlung, Erschließung und Vermittlung von Fotografien zur europäischen Kunst und Architektur sowie die Erforschung der Geschichte, Praxis und Theorie der Überlieferung von visuellem Kulturgut, insbesondere die Erkundung der damit verbundenen medialen Transformationsprozesse, der Bedingungen des Speicherns von Wissen in visueller Form, der Bedeutung der Erinnerung visueller Kultur in der Gesellschaft. Mit rund 1,7 Millionen Aufnahmen ist Foto Marburg eines der größten Bildarchive zur europäischen Kunst und Architektur.
Das 1949 gegründete DIF besitzt umfangreiche Sammlungen zum deutschen Film, insbesondere der Stummfilm. Die Filmdatenbank des DIF beinhalten Informationen zu über 18 000 seit 1895 in Deutschland produzierten Spielfilmen. Bedeutend sind auch die Sammlungen des Plakat- und des Fotoarchivs. Zu den Sammelgebieten des Textarchivs gehören Bücher, Zeitschriften, Filmprogramme. Hinzu kommen Sondersammlungen von Drehbüchern, Partituren und Autographen sowie Nachlässe. Durch die Zusammenlegung von Deutschem Filminstitut und Deutschem Filmmuseum Frankfurt wurden die Bestände noch einmal erheblich erweitert, so um das Musikarchiv mit Aufnahmen und Partituren von Filmmusik, und um das Archiv des Filmproduzenten Artur Brauner.
Das Deutsche Musikarchiv übernimmt im Rahmen des gesetzlichen Auftrages der Deutschen Nationalbibliothek die zentrale Sammlung von Musikalien und Tonträgern und arbeitet als musikbibliografisches Informationszentrum Deutschlands und setzt damit die Tätigkeiten der Deutschen Musik-Phonothek fort. Die Musikaliensammlung im Leipziger Haus umfasst die Bestände der Deutschen Nationalbibliothek ab 1943. Die Tonträgersammlung beinhaltet auch die Tonträger und Mikroformen, die seit den 1960er-Jahren aus dem Gebiet der ehemaligen DDR gesammelt wurden. In den Beständen des Musikinformationszentrums des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR (MIZ) stehen Tonbänder, Noten und Werkkarteien zur Verfügung, die das Musikleben und -schaffen der ehemaligen DDR auf dem Gebiet der E-Musik dokumentieren. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) hat das Deutsche Musikarchiv zum Sammlungsort ihrer Noten bestimmt. Der dem Deutschen Musikarchiv übereignete Gesamtbestand des GEMA-Archivs von umfasst 21.000 Noten.
Das 1952 gegründete DRA verfügt über reichhaltige Bestände an Ton- und Bilddokumenten, Schriftgut, gedruckten Medien und Sachzeugen. Das Archiv umfasst wesentliche Teile der audiovisuellen Überlieferung in Deutschland und spiegelt die Entwicklung des Rundfunks seit seinen Anfängen sowie des Hörfunks und Fernsehens der DDR wider. Sammlungsschwerpunkte des Archivs sind Aufnahmen aus Zeitgeschichte und Musik seit Beginn der Tonaufzeichnung. Neben historischen Tonträgern archiviert das DRA Schriftgut und gedruckte Publikationen zur Programm- und Unternehmensgeschichte des deutschen Rundfunks vor 1945, des Rundfunks und Fernsehens der DDR sowie der ARD. Die Bestände und Informationsquellen des DRA werden dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für Wissenschaft und Forschung, Erziehung und Kultur zur Verfügung gestellt.
Das Deutsche Volksliedarchiv widmet sich der Erforschung populärer Musikkulturen in Vergangenheit und Gegenwart. Kultur-, mentalitäts- und mediengeschichtliche Fragestellungen spielen dabei eine herausragende Rolle, etwa das Verhältnis von Musik und Lied zu Politik, Religion und Bildung. Seit seiner Gründung im Jahr 1914 widmet sich das Archiv der Dokumentation und Edition von populären Liedern. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bildet die Diskursgeschichte des Volkslied-Begriffs, seine Erfindung, Tradierung und Popularisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart sowie die ideologiekritische Infragestellung der verschiedenen Volkslied-Theorien. Das Institut verfügt über eine umfangreiche Fachbibliothek und verschiedene Sammlungen zur populären Musikkultur, vom traditionellen Volkslied bis zum Musical.
Das Filmmuseum verfügt über regionale Sammlungsbestände zur Düsseldorfer Filmgeschichte, Spielfilmproduktionen der DEFA, deutscher Filmemacher, sowie filmhistorisches und filmgeschichtliches Material. International umfassen die Sammlungsbestände die Länder Rußland/UdSSR, Polen, Frankreich, Italien, Benelux, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Japan und die USA. Das Filmarchiv wird ergänzt durch eine Fotothek, ein Schriftarchiv mit Drehbüchern, Produktionsunterlagen, Pressematerialien, ein Plakatarchiv, Grafische Sammlungen sowie
Sammlungen und Nachlässe.
Die Arbeit an den Sammlungen konzentriert sich auf die Film- und Kinogeschichte Deutschlands, die Entwicklung des Babelsberger Filmstudios seit 1912, seine Künstler und Filme. Der Fokus liegt auf der Film- und Kinogeschichte der sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Materialien zur Filmkunst Osteuropas und zum Kinderfilm ergänzen die Bestände. Ein besonderes Sammelgebiet ist die Geschichte der Filmtechnik in Deutschland. Ein Videoarchiv, Filme und Filmausschnitte aus Nachlässen und personengebundenen Sammlungen und ein Archiv von Zeitzeugengesprächen stehen für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung
Das Dokumentarfilmarchiv im HDF bietet eine repräsentative Auswahl an herausragenden nationalen und internationalen Filmwerken seit 1896. Den Schwerpunkt bilden europäische Film- und Fernsehproduktionen unter besonderer Berücksichtigung mittel- und osteuropäischer Filme. Der Begriff Dokumentarfilm reicht dabei vom Industrie-, Lehr- und Kulturfilm über den künstlerischen Autorenfilm bis zu fernsehspezifischen Formen von Feature, Dokumentation, Reportage und Doku-Soap. Das DIF beherbergt zudem die Landesfilmsammlung Nordrhein-Westfalen.
Das 1946 gegründete IDM versteht sich als Dokumentations- und Informationszentrum für die zeitgenössische Musik. Die Präsenzbibliothek wurde 1948 eingerichtet, um eine möglichst vollständige Sammlung aller wichtigen Werke der Neuen Musik an einem Ort zusammenzufassen. Der Bestand beinhaltet Primär- und Sekundärliteratur, darunter Partituren, Programmhefte, Fachbücher, Anthologien, Lexika, laufende Musik- und Fachzeitschriften und eine umfassende Tonträger-Sammlung. Das angegliederte Archiv umfasst darüber hinaus wertvolle, historisch einmalige Ton- und Bilddokumente.
Das Jazzinstitut Darmstadt beherbergt Europas größte öffentliche Jazzsammlung. Zum Präsenzbestand zählen Fachbücher, ein umfassender Zeitschriftenbestand sowie Tonträger. Das Archiv beherbergt bedeutende Nachlässe und Schenkungen privater Sammler. Die weltweit umfangreichste Computerbibliographie zum Jazz der Jazz-Index des Instituts, wird international genutzt. Neben seinen Aufgaben als zentrales Dokumentationszentrum der deutschen Jazzgeschichte betreibt das Jazzinstitut eigene Forschungsprojekte und unterstützt oder fördert gemeinsame Projekte anderer Institutionen, darunter ein Oral-History-Projekt mit Zeitzeugen des deutschen Nachkriegsjazz, eine Quellendokumentation der Geschichte des Anglo-German Swing Club in Hamburg 1945-1952 sowie eine umfangreiche Darstellung der Frankfurter Jazzgeschichte.
Das Klaus-Kuhnke-Archiv ist ein Präsenzarchiv und laut Gesellschaftsvertrag zugänglich für die "musikpädagogisch und musikwissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit''. Es enthält Sammlungen aus allen Gebieten Populärer Musik, Jazz, Blues, Volksmusik, Rock, Soul und weiterer Kategorie, die zumeist nicht Gegenstand der traditionellen Musikwissenschaft sind. Die Bestände sind weitgehend elektronisch erfasst und recherchierbar. Neben der Sammlungstätigkeit verfolgt das Archiv auch verlegerische Aktivitäten.
Die 1966 gegründete Murnau-Stiftung pflegt einen einzigartigen, in sich geschlossenen Filmstock. Er umfasst Kopien und Materialien samt der damit verbundenen Rechte aus über sechs Jahrzehnten deutscher Filmproduktion von 1895 bis zum Anfang der 1960er Jahre. Als Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Produktionsfirmen Ufa, Universum-Film, Bavaria, Terra, Tobis und Berlin-Film besitzt die Murnau-Stiftung rund 2.000 Stummfilme und 1.000 Tonfilme sowie rund 3.000 Kurzfilme von kulturgeschichtlich großem Wert, darunter Werbefilme, Kulturfilme, Dokumentarfilme. Ergänzt werden die Filmbestände durch Fotos, Plakate und Werbematerialien, Drehbücher, Dialoglisten sowie Fachliteratur inklusive Fachzeitschriften. Zudem hält die Murnau-Stiftung umfangreiche Rechtsunterlagen zu ihren Filmen bereit, die den Werdegang einer Produktion von der Entstehung bis zur aktuellen Auswertung widerspiegeln. Daneben sammelt, erhält und dokumentiert die Stiftung Materialien und Rechte an anderen Filmen mit kultureller und historischer Bedeutung. Die Filmbestände lagern in Wiesbaden und im Bundesarchiv-Filmarchiv Koblenz und Berlin.
Das Lippmann+Rau-Musikarchiv widmet sich der Geschichte des Jazz und der Populärmusik weltweit. 1999 als Nachfolgeinstitution des Jazzarchivs Eisenach gegründet gehört es mittlerweile zu den umfangreichsten Archiven zum Thema in Deutschland und Europa. Die Betreiber sehen sich einem weiten Begriff von Jazz und Populärmusik verpflichtet, wobei alle zeitgenössischen und historischen Spielarten als wissenschaftlich relevant erachtet werden. Dazu zählen neben Jazz-Stilistiken wie zum Beispiel Dixieland, Bebop, Cool-, Free- und Fusion Jazz auch Blues, Pop, Rock, Country, R'n'B, Soul, Gospel, Spiritual, Reggae, HipHop, Heavy Metal, Techno, Folk, Chanson etc. in ihren nationalen und internationalen Ausprägungen.
Unter dem Titel »Sprechen trotz allem« widmet sich die Stiftung der Durchführung und Präsentation lebensgeschichtlicher Videointerviews mit Überlebenden des Holocaust. Die Interviews sind in der jeweiligen Originalsprache transkribiert und ins Deutsche übersetzt. Zu jedem Transkript wurden ausführliche Inhalts- und Themenverzeichnisse erstellt, die den Ablauf des Interviews minutiös nachzeichnen. Zudem liegen ein chronologischer Lebenslauf jedes Interviewten und eine Kurzzusammenfassung vor. Im gesamten Archiv kann über die Eingabe von Schlagwörtern, Sprachen, Daten, Personen- und Ortsnamen gezielt nach spezifischen historischen Ereignissen gesucht werden.
Im Visual History Archive des Shoah Foundation Institute for Visual History and Education der University of Southern California sind nahezu 52.000 Video-Interviews mit Überlebenden und Zeugen des Holocaust aus 56 Ländern in 32 Sprachen archiviert. Ein Großteil der Interviewten sind Überlebende des Holocaust: Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Überlebende der Eugenikpolitik. Aber auch Zeugen wie Retter und Helfer, Befreier und Zeugen der Befreiung sowie Zeugen der Kriegsverbrecherprozesse wurden interviewt. In den folgenden Jahren hat die Shoah Foundation das gesammelte Filmmaterial mit einer Gesamtdauer von etwa 120.000 Stunden gesichtet, verschlagwortet und katalogisiert, um es dann auf digitalen Datenträgern zu archivieren. So ist mit dem Visual History Archive eines der weltweit umfangreichsten historische Video-Archiv entstanden. Das Shoah Foundation Institute kooperiert mit ausgewählten Institutionen. Durch die Kooperation mit der Freien Universität Berlin haben nun auch Studierende, Lehrende und Forschende an der Freien Universität die Möglichkeit, schnell und gezielt auf die Videografien des Visual History Archive zuzugreifen.
Die gemeinsame von ZKM und Hochschule für Gestaltung [HfG] konzentriert sich in thematisch auf Gegenwartskunst, vor allem auf Medienkunst, Architektur, Design, Medientheorie, Film, Fotografie und elektroakustische Musik. Ergänzend dazu findet man die klassische Kunstgeschichte, Theater und Philosophie sowie Zeitschriften. Im Besitz der Bibliothek befinden sich außerdem mehrere Archive und Nachlässe.
Die Mediathek vereint in ihrer umfassenden Sammlung verschiedene Informationsmedien wie Bücher, Videos, CD-Roms und Tonträger zur Kunst des 20. und 21. Jh. Die Audiothek des ZKM hat ihren Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik. Die Tonaufnahmen werden ergänzt durch Partituren und Fotografien.
