11. Lelewel Gespräch: Internationale Beziehungen, Menschenrechte, und das Ende des Kalten Kriegs. Die Helsinki-Schlussakte nach vierzig Jahren

Joachim-Lelewel-Gespräch

Di. 02.06.2015 | 18:00 Uhr
Warschau

Bei ihrer Unterzeichnung im Jahr 1975 wurde die Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vielfach als Preisgabe westlicher Interessen und Anerkennung sowjetischer Vorherrschaft in Osteuropa kritisiert. Doch als Bürger der realsozialistischen Staaten begannen, sich auf die Menschenrechtsbestimmungen der Schlussakte zu berufen, änderten sich die Meinungen über den Helsinki-Prozess. Zunehmend wurde er als Instrument gesehen, das es einerseits Dissidenten im Osten Europas erlaubte, immer größere Freiheitsrechte einzufordern, und andererseits den Westen dazu in die Lage versetzte, wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Staaten des Warschauer Pakts an die Einhaltung von Menschenrechten zu knüpfen.

Seit einiger Zeit ist der Helsinki-Prozess nun Gegenstand zeithistorischer Forschungen geworden, die die oft vereinfachende zeitgenössische Diskussion hinter sich lassen, um die Wirkung der Helsinki-Schlussakte für das Ende des Kalten Kriegs und die Entwicklung von Menschenrechtspolitik auszuleuchten. Das DHI Warschau nimmt daher den vierzigsten Jahrestag der Unterzeichnung der Helsinki-Schlussakte zum Anlass, den Charakter und die Wirkung dieses Dokuments zu diskutieren. War die Schlussakte primär als Menschenrechtsdokument intendiert oder waren vielmehr Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten aus Ostmitteleuropa, die sie zu einem Mechanismus von Menschenrechtspolitik gemacht haben? Was hat die Schlussakte tatsächlich zur Respektierung individueller Rechte und zur Induktion politischen Wandels in Europa beigetragen? Welche Bedeutung hatte die Helsinki-Schlussakte für die plötzliche Zunahme von Menschenrechtspolitik in den 1970er Jahren?

Diskutanten sind Sarah Snyder (American University), Wanda Jarząbek (ISP PAN), Jan Eckel (Universität Freiburg). Geleitet wird die Diskussion von Robert Brier (DHI Warschau)

 

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22
Nov
Kolloquium
Maren Hachmeister (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München)
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