Prof. Dr. Stefan Keym: Deutsch-polnische Musikbeziehungen im Lichte der Kulturtransferforschung – Chancen und Perspektiven

Vortrag

Di. 30.05.2017 | 18:00 Uhr
Warschau

Polen und Deutschland verbindet eine reiche Geschichte musikalischer Wechselbeziehungen und Verflechtungen. Die Kulturtransferforschung ermöglicht einen methodisch differenzierten Zugang zu dieser vielschichtigen Thematik, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse der aufnehmenden Kultur, Modifikationen der Konzepte bei ihrer Aneignung sowie den über den Transferprozess geführten Diskurs richtet.
Im Mittelpunkt des Vortrags steht das lange 19. Jahrhundert, in dem sich zunächst das vormärzliche Interesse der deutschen Liberalen an den polnischen Nationalerhebungen auch in der Musik niederschlug und später eine zunehmende Beschäftigung polnischer Komponisten mit Modellen der deutschen Symphonik-Tradition erfolgte. Dabei werden freilich auch unterschiedliche Traditionen der Gewichtung von ästhetischen und politischen Faktoren erkennbar.
Dieser zentrale Teil wird eingebettet in vergleichende Beobachtungen zu anderen Epochen, insbesondere zur europäischen Polonaisen-Mode des 18. Jahrhunderts und zu Wechselwirkungen in der Avantgarde-Musik nach 1945.

Stefan Keym studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Geschichte in Mainz, Paris (Sorbonne) und Halle; 2001 Promotion an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; ab 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig; dort 2008 Habilitation über Symphonie-Kulturtransfer. Untersuchungen zum Studienaufenthalt polnischer Komponisten in Deutschland und zu ihrer Auseinandersetzung mit der symphonischen Tradition 1867–1918 und Ernennung zum apl. Professor; Gast- und Vertretungsprofessuren in Tübingen, Zürich, Berlin (HU) und Hamburg; seit 2016 Professor für neuere Musikgeschichte an der Université Toulouse Jean Jaurès.

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