Prof. Dr. Dr. h.c. Victor Dönninghaus (Hamburg): Die „Tagebücher“ Leonid Breschnews – Schlüssel zum Verständnis der Persönlichkeit des Generalsekretärs

Vortrag

Di. 14.11.2017 | 18:00 Uhr
Warschau

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Dienstagsvorträge“ des DHI Warschau

Das Interesse für die Tagebücher hochrangiger Politiker ist sowohl bei Historikern als auch in der Öffentlichkeit nach wie vor groß. Um ihre Bedeutung für die Geschichtswissenschaft zu ermessen, reicht es aus, sich die Erforschung der Geschichte des Nationalsozialismus ohne die Tagebücher von Joseph Goebbels oder der Geschichte des Stalinismus ohne die Aufzeichnungen Georgi Dimitrovs vorzustellen. Vor diesem Hintergrund kommt der wissenschaftlichen Erschließung einer solch einzigartigen historischen Quelle wie den persönlichen Aufzeichnungen Brežnevs, die dieser von spätestens 1944 an bis zu seinem Tod führte, eine herausragende Bedeutung zu. Auf ihre Weise zeugen die Arbeitsaufzeichnungen Brežnevs, gewissermaßen sein „Bordbuch“, davon, dass Brežnev im Vergleich zu seinen Vorgängern Lenin, Stalin und Chruschtschow mehr Bürokrat als Ideologe, mehr Epigone als Theoretiker, mehr Politoffizier als Revolutionär war.

Victor Dönninghaus, Historiker, Stellvertreter des Direktors am Nordost-Institut in Lüneburg. 1993 Promotion an der Staatlichen Universität Dnepropetrovsk (Ukraine); 2006 Habilitation an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Thema „Instrumente und Methoden stalinistischer Nationalitätenpolitik (1917–1938)“; 2009 Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 2007–2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler. Von Oktober 2009 bis April 2010 Kommissarischer Direktor des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Moskau, danach bis März 2013 stellvertretender Direktor des DHI Moskau.
Zu seinen Publikationen zählen u.a. die Monografien Revoljucija, reforma i vojna. Nemcy Povolž’ja v period zakata Rossijskoj imperii [Revolution, Reform und Krieg. Die Deutschen an der Wolga im ausgehenden Zarenreich], Moskau ²2015 sowie V teni „Bol’šogo brata“. Zapadnye nacional’nye men’šinstva v SSSR (1917–1938 gg.) [Im Schatten des „Großen Bruders“. Die nationalen Minderheiten des Westens in der Sowjetunion (1917–1938)], Moskau 2011.

12
Dez
Kolloquium
Roman Smolorz (Universität Regensburg)
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