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Die Rolle der deutschen Minderheiten in Osteuropa

Die meisten deutschen Minderheitengruppen waren seit dem Mittelalter nach Jugoslawien, Ungarn, Rumänien, Polen, in die Ukraine, das Baltikum und verschiedene Teile Russlands eingewandert. Dort gründeten sie Siedlungskolonien, in denen bis ins 20. Jahrhundert hinein Deutsch gesprochen und eine ländliche deutsche Kultur gepflegt wurde. Die deutschen Staaten interessierten sich zunächst nicht für diese Gruppen. Erst 1881 wurde ein Schulverein gegründet, der helfen sollte, die Kultur der Deutschen in Osteuropa zu bewahren. Als Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) bestand dieser noch bis 2019, später unter leicht verändertem Namen.

1917 wurde dann das Deutsche Auslandsinstitut gegründet, das die Deutschen im Ausland dokumentieren und unterstützen sollte. In der Zwischenkriegszeit entstand zudem eine neue Minderheit in den Teilen Polens, die bis dahin Deutsches Reich waren. Die deutsche Regierung benutzte nun die deutschen Minderheiten, um Außenpolitik zu betreiben, vor allem, um Polen zu destabilisieren. Dazu wurden auch die genannten Vereine instrumentalisiert. Die Nationalsozialisten machten das noch stärker: Im Zuge des Hitler-Stalin-Pakts siedelten sie viele dieser Minderheiten ins besetzte Polen um. Nach 1945 wurden viele Deutsche aus Osteuropa vertrieben oder nach Sibirien verbannt. Die Reste der Minderheiten wurden von der Bundesrepublik wieder für außenpolitische Ziele genutzt. Ihre Ausreise nach Deutschland wurde als Beweis für die Unterlegenheit des Kommunismus gesehen. Nach 1990 bilden die Minderheiten einen wichtigen Bestandteil der deutschen auswärtigen Kulturpolitik. Sie soll anders als früher zur Stabilisierung und Demokratisierung Osteuropas und zu guten Beziehungen Deutschlands beitragen.

Unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Ralf Meindl forscht zu Minderheiten und Regionalisierungsprozessen im 19. und 20. Jahrhundert. In seinem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit den kulturellen, religiösen und wirtschaftlichen Strukturen und den darauf basierenden Mentalitäten im frühneuzeitlichen Ermland.

Am 1. Juli 2026 hielt er einen Vortrag zu Minderheiten- und Nationalitätenpolitik in Osteuropa, der im Rahmen der internationalen Konferenz WEEC 2026 stattfand.
 

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