Interaktive Karte zeigt Massengräber des Holocaust



Die neue Webseite soll Forschung und Bildung zu vergessenen Orten nationalsozialistischer Verbrechen fördern.
Das Deutsche Historische Institut Warschau hat eine interaktive Karte veröffentlicht, die Massengräber des Holocaust auf dem Gebiet des ehemaligen Generalgouvernements lokalisiert. Die Webseite beruht auf drei Jahren interdisziplinärer Forschung und richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Im Hintergrund steht eine umfangreiche Datenbank von Orten, die oft ausgeblendet werden, denn die Geschichtsvermittlung stellt zumeist das Gedenken an die Konzentrations- und Vernichtungslager sowie Ghettos in den Großstädten in den Vordergrund. Die neue Seite bietet eine Zusammenstellung von historischen Informationen, Luftbildern und Kartenmaterial, die in der Holocaustforschung bislang einzigartig ist.
Die Karte ist Ergebnis des Projekts „Massengräber des Holocaust“, das insbesondere den Ereignissen im Kontext der „Aktion Reinhardt“ gewidmet ist. Im Rahmen dieser „Aktion“ deportierten die Deutschen etwa 1,6 Millionen Juden und Jüdinnen in die Lager in Bełżec, Sobibór und Treblinka. Sie umfasste aber nicht allein das Morden in den Vernichtungslagern, sondern auch Massenerschießungen, bei denen rund ein Viertel aller Opfer des sogenannten Holocaust by bullets („Holocaust durch Kugeln“) umkamen. Die Menschen wurden an ihren Heimatorten ermordet: In größeren und kleineren Städten und Dörfern oder am Rande dieser Ortschaften. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt.
Im Projektteam sind unter anderem Forschende der Fächer Geschichte, Soziologie, Kulturwissenschaften, Archäologie und Dendrologie vertreten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassten sich mit dem Gebiet des heutigen Polen, das unter deutscher Besatzung das Generalgouvernement bildete. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Woiwodschaft Vorkarpatenland. Untersucht wurden die Geschichte der Massengräber und die Erinnerung daran. Die jetzt veröffentlichte Karte erlaubt es, nach Ortschaften oder Opferzahl zu suchen sowie danach, ob sich die sterblichen Überreste auf einem jüdischen Friedhof oder außerhalb davon befinden.
In den kommenden Jahren wird die Karte systematisch um weitere Informationen ergänzt. Darüber hinaus sind Angebote für Multiplikator:innen aus der schulischen wie außerschulischen Bildung und der Tourismusbranche geplant.
Das Projekt wird von der Stiftung EVZ, der ZEIT-Stiftung Bucerius sowie der Fritz Thyssen Stiftung unterstützt.