Let’s Talk About History. Public History through Face-to-face Communication

Geschichte wird nicht nur geschrieben, sondern auf vielerlei Weise „gemacht“. Und dies auch – und vor allem – jenseits der Wissenschaft. Die Grenze zwischen akademischer und populärer Geschichte ist längst aufgebrochen. Unter dem Stichwort „Public History“ rücken all jene Praktiken des Geschichtskonsums in den Fokus, die sich nicht auf ein Fachpublikum beschränken: Romane, Filme, Comics, aber auch Computerspiele, soziale Medien uvm. Die „Reise“ der Erinnerung durch verschiedene Medien gerät dabei jedoch meist als eine Art Einbahnstraße in den Blick – vom mündlichen kommunikativen Gedächtnis hin zu schriftlichen bzw. audiovisuellen Darstellungen.

Der Workshop „Let’s Talk About History. Public History through Face-to-face Communication”, veranstaltet vom Deutschen Historischen Institut in Warschau und dem Zentrum für Historische Forschung in Potsdam, drehte diese Perspektive um und machte die öffentliche “Reoralisierung” von Geschichte zum Gegenstand. Vom 22. bis 24. Mai 2019 trafen sich Forscher*innen und Geschichtsvermittler*innen aus Polen, Tschechien, Deutschland, Österreich, Großbritannien und Russland in der Vila Lanna in Prag, um mündliche Geschichtspräsentationen im Tourismus, in Museen, Gedenkstätten, im städtischen Raum sowie im Bereich des Living History zu diskutieren.

Den Auftakt des Treffens bildete ein öffentlicher Abendvortrag von Petra Tjitske Kalshoven, die einen weiten Bogen zur Amateurbewegung der „Indianistik“ spannte. Indem die Ethnologin die Frage nach der diskursiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit im engen Zusammenhang mit materiellen und körperlichen Praktiken der Hobbyisten analysierte, eröffnete sie wichtige Perspektiven für die Diskussion an den folgenden beiden Tagen: In vier Panels setzten sich die Teilnehmer*innen mit der klassischen Stadt- bzw. Museumsführung als einer spezifischen Form des raumbezogenen, interaktiven Erzählens auseinander. Während die erste Sektion mit Vertretern der Geschichtsdidaktik, der Linguistik und der Oral History verschiedenen disziplinären Zugängen gewidmet war, nahmen die folgenden das Medium „guided tour“ anhand von Fallbeispielen unter die Lupe. Das Spektrum reichte dabei von privaten Anbietern, lokalen Graswurzelbewegungen bis hin zu staatlichen Gedenkstätten und Museen.

Der Workshop, der vor allem dem Austausch und dem Vergleich verschiedener Forschungsansätze dienen sollte, räumte der Diskussion ebenso viel Raum ein, wie den einzelnen Präsentationen. Auch der Besuch einer Stadtführung im direkten Anschluss an die Sektion „Talking while Walking“ diente nicht zuletzt als Möglichkeit, um mit einem Prager Guide ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise entwickelte sich eine intensive Debatte um Theorie und Praxis der „Oral Public History“ im Spannungsfeld zwischen Bildungsanspruch und Unterhaltungsbedürfnis. Das Problem der kulturellen Kommunikation im internationalen Tourismus kam dabei ebenso zur Sprache, wie Fragen nach Inklusion bzw. leichter Sprache und der Rolle von Zeitzeug*innen. Einigkeit zwischen den Teilnehmer*innen herrschte am Ende vor allem hinsichtlich der Hoffnung, dass dies der Auftakt für eine weitere gemeinsame Diskussion sein möge.

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Nov
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