Podiumsdiskussion zu polnisch-arabischen Beziehungen in der Kunst

Zum Abschluss der Ausstellung „Gemeinsame Räume. Bildungsmigrationen im Kontext des Kalten Krieges“ wurde am 24. März 2022 eine Podiumsdiskussion zu den polnisch-arabischen Beziehungen in der Kunst organisiert, moderiert von DHIW-Mitarbeiter Mustafa Switat. Das Thema der Debatte bezog sich auf seine Forschungen zu den Wissensströmen in den Kunstwissenschaften zwischen der Volksrepublik Polen und den arabischen Ländern im Rahmen des internationalen Projekts „Relations in the Ideoscape: Middle Eastern Students in the Eastern Bloc (1950's to 1991)“.

Die geladenen Gäste diskutierten über die polnisch-arabischen Beziehungen in der Kunst im Kontext der Bildungsmigration während des Kalten Krieges und die Perspektive ihrer möglichen Entwicklung. Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war die Frage nach der Identität der Kunst angesichts der globalen Zirkulation von Wissen und interkulturellen Kontakten.

Durch zwischenstaatliche Abkommen wurden polnischen Künstlern in der kommunistischen Zeit Reisen in arabische Länder ermöglicht und arabischen (Kunst-)Studierenden Studienaufenthalte im Ostblock. Auch Ausstellungen wurden organisiert.
Krzysztof Płomiński ist Diplomat und hat sich auf die polnische Zusammenarbeit mit der arabischen Welt spezialisiert. In der Diskussion erläuterte er die Verbindungen zwischen der Stipendienpolitik der Volksrepublik Polen und den arabischen Ländern sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit diesen Ländern. Anschließend präsentierte er seine Sichtweise auf mögliche Perspektiven für die weitere wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen Polen und dem arabischen Raum.

Alle Diskutanten können selbst auf Erfahrungen mit Bildungsmigration zurückblicken und reflektierten Vor- und Nachteile eines Auslandsstudiums. Ihnen zufolge mache ein Studium außerhalb des Heimatlandes Migrantinnen und Migranten kurzfristig zu Zeugen politischer und sozialer Ereignisse in einem neuen Land. Die anwesenden Künstler –  Majid Jammoul und Nafe Alahmad –  berichteten über ihre Erinnerungen aus ihrer Studienzeit, über das Leben der polnischen Gesellschaft der 1970er Jahre und zum Ende des Kalten Krieges. Sie diskutierten über die Besonderheiten des Studiums in Polen als Ostblockland.

Für die arabischen Länder, die allmählich ihre Unabhängigkeit erlangten, war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zeit der Modernisierung. Und auch die Entwicklung der Kunst wurde Teil dieses Prozesses. Die arabischen Länder wurden unabhängig, ebenso wie Polen, was seine Unabhängigkeit zum zweiten Mal nach dem Krieg wiedererlangte. Einig waren sich alle Diskutierenden darin, dass die Kunst und damit die Künstler für eine Nation in einer solchen Zeit besonders wichtig waren. Agnieszka Chmielewska stellte das Konzept des sogenannten „staatstragenden Künstlers“ vor. Dieses verwende sie in ihrer eigenen Forschung, um die Rolle der bildenden Künstler in der Zwischenkriegszeit zu definieren. Trotz der Tatsache, dass es seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und den arabischen Ländern bereits eine relativ große Zahl von Ausstellungen arabischer Kunst und von Werken arabischer Künstler gegeben habe, bleibe diese Kunst oft unbekannt. Den Grund dafür sieht sie darin, dass Kunst aus außereuropäischen Ländern im wissenschaftlichen Diskurs erst seit kurzem in historische Analysen einbezogen werde.

Von den allgemeinen Themen ging die Diskussion zu den individuellen Erfahrungen der Künstler über. Sie berichteten davon, wie sie das in Polen erworbene Wissen an den hiesigen Kunstmarkt anpassen – vor allem bei ihrer Arbeit in Kultureinrichtungen und Künstlervereinigungen (Majid Jammoul) – und wie sie Elemente der arabischen Kunsttradition mit anderen Stilen verbinden (Majid Jammoul zum Beispiel in einer Serie monumentaler Skulpturen mit dem Titel „Arabische Kalligraphie“ und Nafe Alahmad in der Gemäldeserie „Mein Orient“ aus den 1990er Jahren und in der bis heute andauernden Serie „Nostalgie“).

Unter Berücksichtigung des Wissensaustauschs zwischen ehemaligen Studenten und ihren Heimatländern im Bereich der Kunst präsentierten die Teilnehmenden auch ihre Überlegungen zur nationalen und globalen Kunst. Somit ermöglichte die Debatte eine Gegenüberstellung der Perspektiven, die die Akteure des Ideentransfers in der Kunst in einem praktischen und theoretischen Kontext einnehmen. Für das Publikum war die Diskussion Gelegenheit, in Polen lebende arabische Künstler (ehemalige Studenten der Volksrepublik Polen) kennenzulernen. Damit fungierte es selbst als eine Art interkultureller Vermittler im Wissensaustausch.

25
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