Rex Rexheuser (1933–2022)

Rex Rexheuser und Jürgen Hensel, 1990er Jahre

Im Alter von 88 Jahren ist Prof. Dr. Rex Reheuser am 24. März 2022 in Lüneburg verstorben. Rexheuser war Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Instituts Warschau und leitete es in der ersten Phase seiner Existenz, von 1993 bis 1998. Während dieser Zeit koordinierte er die grundlegenden Aufgaben der Profilbildung sowie des technischen, organisatorischen und insbesondere des wissenschaftlichen Aufbaus von Institut und Institutsbibliothek, welche sich damals noch in der 17. Etage des Warschauer Kultur- und Wissenschaftspalastes befanden. 

Rex Rexheuser studierte Germanistik und Geschichte in Göttingen und Paris und war ab 1963 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Erlangen. Dort promovierte er 1971 mit einer Dissertation über die Besitzverhältnisse im russländischen Adel im 18. Jahrhundert, sechs Jahre später folgte seine Erlangener Habilitation über die Sozialgeschichte der russischen Rechten vor 1917. Als Privatdozent lehrte er dann an der Universität Hannover, wo er eng mit Hans-Heinrich Nolte in der Zeit seiner Forschungen zur Nationenbildung im Osten Europas verbunden war. Seit 1983 war das damalige Lüneburger Institut Norddeutsches Kulturwerk (heute Nordost-Institut) seine Wirkungsstätte. 1993, fast zeitgleich mit der Entsendung nach Warschau, erfolgte die Ernennung Rexheusers zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Hannover. Nach seiner Amtszeit in Warschau lebte Rex Rexheuser wieder in Lüneburg.

Dem neuen Institut in Warschau gab Rexheuser ein Profil, das noch heute, ein Vierteljahrhundert nach dem Ende seiner Amtszeit, stark nachwirkt. Dazu gehören etwa die Publikationsreihen des Instituts, insbesondere die beiden Übersetzungsserien „Klio w Niemczech“ und „Klio in Polen“, aber auch die Institutsserie „Quellen und Studien“ beim Harrassowitz-Verlag. Doch Rexheuser beteiligte sich auch als Direktor an der täglichen Forschungsarbeit des Hauses. Davon zeugen nicht zuletzt die von ihm herausgegebenen Bände, welche Schlüsselthemen der damaligen Geschichtswissenschaft im ostmitteleuropäischen Kontext aufgriffen oder gar neue Themenfelder eröffneten. Hier seien vor allem der gemeinsam mit Almut Bues vorbereitete Band „Mittelalterliche nationes – neuzeitliche Nationen: Probleme der Nationenbildung in Europa“ von 1995 und seine Publikation über „Personalunionen von Sachsen-Polen (1697–1763) und Hannover-England (1714–1837)“ von 2005 erwähnt. Letztere ging auf eine Tagung zurück, die er 1997 anlässlich des 300. Jahrestags der wettinischen Personalunion von Sachsen und Polen-Litauen organisiert hatte. Noch 2017 erschien in der von Rexheuser gegründeten Harrassowitz-Reihe des DHI Warschau seine Monographie über „Juden im öffentlichen Raum einer christlichen Stadt: Posen im 16.–18. Jahrhundert“, die seinem letzten großen Forschungsbereich, den polnisch-jüdisch-deutschen Verflechtungen, gewidmet war. 

Rex Rexheuser ist es gelungen, das DHI Warschau innerhalb von fünf Jahren zu einem festen und anerkannten Akteur in der deutsch-polnischen Forschungslandschaft zu machen. All diejenigen, die das Glück und die Freude hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten, erinnern sich gerne an eine außerordentlich frische und freundschaftliche Atmosphäre in den fünf Gründungsjahren des Instituts. Ohne Rex Rexheuser würde es das DHI Warschau in seiner heutigen Form nicht geben. 

25
Mai
Kolloquium
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