Sozialistische Lebenswelten und Unterwelten: Machtorganisation des Stadtraums in den spätsozialistischen Großstädten Prag, Warschau und Ost-Berlin

Bearbeiter: Dr. Jaromír Mrňka


Das Projekt untersucht die Machtverhältnisse im städtischen Raum spätsozialistischer Großstädte wie Prag, Warschau und Ost-Berlin in den 1980er Jahren und legt besonderen Fokus auf das Konzept der "Unterwelt". Hierbei handelt es sich um jene Bereiche und Lebenswelten am Rande der Gesellschaft, die oft von Menschen mit alternativen Lebensstilen, Randgruppen und sozialen Minderheiten bewohnt wurden. Diese "Unterwelt" existierte parallel zur offiziellen sozialistischen Ordnung und wurde von den staatlichen Sicherheitskräften als "kriminell mangelhaft" betrachtet. Das Projekt analysiert, wie diese "Unterwelt" in den städtischen Raum integriert war, wie sie von der Staatsmacht wahrgenommen wurde und wie sich die Mitglieder dieser Unterwelt mit ihrem Lebensraum identifizierten.

Das Hauptziel des Forschungsprojekts ist die Kartierung der Machtstrukturen im städtischen Raum von Prag, Warschau und Ost-Berlin in den 1980er Jahren. Es werden Transformationen durch Staatsmacht und Sicherheitskräfte sowie Lebensstrategien der Akteure in diesem hierarchisierten Raum analysiert. Das Projekt fragt auch, welche Verhaltensweisen von der Diktatur toleriert und welche unterdrückt wurden, basierend auf dem gesellschaftlichen Konsens über ein menschenwürdiges Leben im Sozialismus.

Zusätzlich beleuchtet das Projekt, wie die staatliche Macht in spätsozialistischen Gesellschaften trotz ideologischer Ansprüche bestimmte Grauzonen tolerierte und teilweise selbst daran teilnahm, wie z.B. in der Schattenwirtschaft. Dies unterstreicht die Spannung zwischen offizieller Ideologie und gesellschaftlicher Realität. Insgesamt bietet das Projekt einen Einblick in die sozialen Strukturen und das komplexe Wechselspiel von Macht, Identität und gesellschaftlicher Ordnung im Kontext dieser spätsozialistischen Großstädte, wobei die "Unterwelt" als ein zentrales Element in dieser Analyse herausgestellt wird.

23
Mai
Podiumsdiskussion Buchvorstellung
Warschauer Buchmesse
Mehr lesen