Neuerscheinung: Sex Lives and Churches in Polish Territories Through the Ages

Dieses Buch analysiert die Beziehung zwischen den offiziellen Lehren der Kirchen über „erwünschte” und verbotene Formen sexuellen Verhaltens einerseits und der alltäglichen Praxis andererseits. Der Schwerpunkt liegt auf Perspektiven „von unten”. Seit seinen Anfängen hat das Christentum versucht, das Liebesleben seiner Gläubigen zu regulieren. Der wachsende Einfluss des Klerus auf staatliche Institutionen und die Einführung der christlichen Sexualethik hinterließen ihre Spuren in Recht, Bildung und sozialen Normen. Das Alltagsleben der meisten Gläubigen hatte jedoch wenig mit den von Geistlichen propagierten sexuellen Normen gemein. Das Gebiet Polens ist besonders interessant, da dort über Jahrhunderte hinweg verschiedene christliche Konfessionen sowie unterschiedliche ethnische Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Normen nebeneinander existierten. Darüber hinaus befasst sich dieser Sammelband mit verschiedenen Akteursgruppen wie Bauern, Geistlichen oder Stadtbewohnern vom frühen Mittelalter bis zum späten 20. Jahrhundert und umfasst auch unterschiedliche Arten von Quellen sowie methodische Ansätze.
Diese langfristige Perspektive zeigt die Auswirkungen und den Einfluss der kirchlichen Lehren in einer longue durée und hebt soziale Faktoren hervor, die sowohl den Diskurs über Sexualität geprägt als auch auf die sich wandelnde Macht der Kirche hingewiesen haben.
Der Sammelband ist das Ergebnis einer Konferenz, die im November 2022 am DHI Warschau stattfand und analysiert die Beziehung zwischen den offiziellen Lehren der Kirchen hinsichtlich „erwünschter” und verbotener Formen sexuellen Verhaltens einerseits und der alltäglichen Praxis andererseits, wobei der Fokus auf Perspektiven „von unten” liegt. Seit seinen Anfängen hat das Christentum versucht, das Liebesleben seiner Gläubigen zu regulieren. Der wachsende Einfluss des Klerus auf staatliche Institutionen und die Einführung der christlichen Sexualethik hinterließen ihre Spuren in Recht, Bildung und sozialen Normen. Das Alltagsleben der meisten Gläubigen hatte jedoch wenig mit der von den Geistlichen propagierten sexuellen Norm zu tun.
Michael Zok ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Warschau, Polen. Seine Forschungsinteressen umfassen die Geschichte der Sexualität und Medien sowie vergleichende Geschichte.
Jaśmina Korczak-Siedlecka war bis Februar 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin am DHI Warschau. Aktuell forscht sie am Institut für Geschichte der Universität Uppsala, Schweden zur Geschlechtergeschichte, Gewaltgeschichte und Religionsgeschichte im Polen der Frühen Neuzeit.