Transformation des Erbes, Erbe der Transformation. Synagogengebäude im heutigen Polen und das Nachleben der post-sozialistischen Übergänge

Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf die Prozesse des Managements und der Aneignung des jüdischen Kulturerbes in Polen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Rolle der rechtlichen Rahmenbedingungen und politischen Veränderungen nach 1989. Die zentrale These lautet, dass diese Veränderungen weiterhin darüber entscheiden, wie jüdische Institutionen, Gemeinden und andere Akteure heute mit ehemaligen Synagogen und anderen jüdischen Kulturerbestätten umgehen. Das Projekt argumentiert, dass die nach den 1990er Jahren erlassenen Gesetze den Handlungsspielraum jüdischer und nichtjüdischer, nationaler und transnationaler Akteure auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene definieren.
Im Mittelpunkt der Studie stehen die rechtlichen Aspekte des Eigentums und des Denkmalschutzes, insbesondere das Gesetz von 1997, welches die Beziehungen zwischen dem polnischen Staat und den jüdischen Religionsgemeinden regelt, sowie die laufenden Restitutionsprozesse jüdischen Eigentums. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen führen häufig zu Konflikten zwischen den Beteiligten über die angemessene Restaurierung, Wiederverwendung und Erhaltung ehemaliger Synagogen. Das Projekt widmet sich insbesondere den nördlichen und westlichen Regionen Polens – ehemaligen deutschen Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg annektiert wurden – in denen das jüdische Erbe teilweise anders behandelt wird als in den „Kernregionen” Polens.
Zu den zentralen Forschungsfragen gehören: Wie hat der Diskurs über das jüdische Erbe mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen interagiert? Welche Akteure und Netzwerke haben die Gesetzgebung nach 1989 beeinflusst? Warum hat sich die Restitutionsdebatte von Eigentumsfragen hin zur Verankerung des kulturellen Erbes in der nationalen Identität verschoben? Wie wirken sich internationale Denkmalschutzstandards auf lokale Praktiken aus? Und welche Konflikte und unterschiedlichen Interpretationen bestehen fast 30 Jahre nach Verabschiedung der entsprechenden Gesetze noch immer?
Methodisch verbindet das Projekt Denkmalschutztheorie, Politik-, Rechts- und Transformationsgeschichte sowie Critical Heritage Studies. Mittels Dokumenten- und Archivanalysen, Interviews mit Synagogenbesitzern und -nutzern sowie Fallstudien werden rechtliche und politische Kontexte auf Makroebene mit lokalen Praktiken und Akteuren auf Mikroebene verknüpft. Darüber hinaus steht das Projekteam im Dialog mit Praktikern und Institutionen, um umsetzbare Modelle für die zukünftige Revitalisierung und den Schutz des jüdischen Erbes in Polen und der gesamten Region zu entwickeln.
Projekt im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 2357 „Jüdisches Kulturerbe“
Laufzeit: 2025-2028
Partnerinstitutionen: DHI Warschau, Bet Tfila: Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa (Braunschweig, Deutschland)
Projektleitung: Dr.-Ing. Ulrich Knufinke, Prof. Dr. Ruth Leiserowitz
Team: Dr. Christhardt Henschel, Zuzanna Światowy
Kooperationspartner: Prof. Dr. Jörg Hackmann (Historisches Institut der Universität Stettin) und PD Magdalena Waligórska-Huhle (Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin)
Dieses Projekt findet in Fortsetzung des Projektes „Aneignung und Revitalisierung. Aushandlungsprozesse des deutsch-jüdischen Kulturerbes in Polen“ statt.

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