Kooperationsprojekte


Einleitung

Gemeinsam mit verschiedenen Partnerorganisationen realisieren wir die folgenden Forschungsprojekte:

 

 


(De)Constructing Europe – EU-Scepticism in European Integration History

Das Forschungsprojekt bettet das Ideal des Zusammenhalts der Europäischen Union in die Geschichte der Skepsis gegenüber Europa ein. Diese Skepsis hat die europäische Einigung einerseits von Beginn an bedingt und begrenzt, andererseits hat sie eigene Formen des Zusammenhalts in Europa gestiftet. Während gegenwärtig vor allem politikwissenschaftliche, auf die jüngere Vergangenheit ausgerichtete Analysen das Forschungsfeld dominieren, verbindet das Projekt historische, soziologische und politikwissenschaftliche Ansätze zu einer interdisziplinären und transnationalen Perspektive. Ziel ist es, Euroskepsis in ihren unterschiedlichen Ausprägungen als das Ergebnis der Auseinandersetzung transnationaler, sich wechselseitig befördernder und behindernder Europavorstellungen zu erklären. Das dreijährige Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und hat seine Arbeit zum 1. April 2021 aufgenommen. Es wird als Verbundprojekt gemeinsam vom DHI London, DHI Rom und DHI Warschau sowie dem Hamburger Institut für Sozialforschung durchgeführt.

(De)Constructing Europe Blog: europeresist.hypotheses.org

 

Teilprojekt 1:
Europas Gegenbewegungen. Euroskeptische Verflechtungen seit den Anfängen der Europäischen Integration

Bearbeiterin: Beata Jurkowicz

Aus den regelmäßig geführten Forschungen ergibt sich, dass Polen in der großen Mehrheit positive Einstellung gegenüber der Europäischen Union haben. Aus der im November 2020 durchgeführten Umfrage für die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ ergab sich, dass 81,8% Polen in einem Referendum für weitere Mitgliedschaft von Polen in der Europäischen Union hätten wählen wollen. Für den Austritt aus der EU erklärte sich 11% der Umgefragten (7,9% gab die Antwort: ich weiß nicht/ schwer zu sagen). Trotzdem sind euroskeptische Stimmen ein beständiger Element der polnischen politischen Debatte. Das Ziel der vorliegenden Analyse ist die Quellen des Europaskeptizismus zu erforschen. Aus diesem Grund wird das Umfeld der demokratischen Opposition in der Volksrepublik Polen in den 80-er Jahren des XX Jh. und der Einfluss verschiedener Oppositionsgruppen auf die polnische auswärtige Politik nach 1989 analysiert.

Die grundliegende Rolle spielten Politiker nach dem demokratischen Wandel in den 90-er Jaheren des XX Jh., die ihre politische Aktivität in der 1980 gegründeten Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaft „Solidarność“ (NSZZ Solidarność) und im nach Juni 1976 ins Leben berufenem Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) angefangen hatten. Man sollte dabei betonen, dass die geopolitische Lage die Oppositionsaktivisten beeinflusste indem sie sich auf die inneren Problemen konzentriert hatten und die auswärtige Politik nicht ihre Priorität war. Dennoch um die Quellen des polnischen Europaskeptizismus unter den nach-„Solidarność“ Eliten zu diagnostizieren, wird die Stellung der NSZZ Solidarność in den Fragen der inneren wie auch auswärtigen Politik gründlich analysiert.An dieser Stelle sollte man beachten, dass die Opposition der Volksrepublik Polen in Bezug auf die Ideen sehr unterschiedlich war. Hingegen war die Kontestation des politischen und wirtschaftlichen Systems und der Abhängigkeit von der Sowjetunion das gemeinsame Element und zugleich das Verbindende. Die Oppositionsaktivisten gaben es in den Veröffentlichungen, die im zweiten Umlauf oder in den Emigrationsmedien herausgegeben wurden, zum Schein.

Zweifellos war die damalige Opposition von der Idee her durch die pariser Zeitschrift „Kultura“ geprägt – es war die unabhängige internationale Debatteplattform der Emigrationsintellektueller, in der Volksrepublik Polen tätigen Oppositionsaktivisten und aller deren die Werte wie Meinungsfreiheit, Menschenrechte und Demokratie von Bedeutung waren. Gerade in der Zeitschrift „Kultura“ (Nr 10/409, Ausg. 1981) erschien zum ersten Mal das berühmte Essay von Jan Józef Lipski „Zwei Vaterländer – Zwei Patriotismen“ („Dwie ojczyzny – dwa patriotyzmy. Uwagi o megalomanii narodowej i ksenofobii Polaków). Der Autor betonte in seinem Essay das Bedürfnis der Versöhnung zwischen Polen, Deutschen und Ukrainern. Auf das Konzept von Jan Józef Lipski beriefen sich später die Urheber der auswärtigen Politik der III Republik Polen vor allem bezüglich der Bestrebungen Polens mit den euroatlantischen Strukturen integriert zu werden, die die vereinigte Bundesrepublik Deutschland im internationalen Maßstab unterstützte. Zweifellos Politiker, die in Handlungen zugunsten der Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union engagiert waren, waren gleichzeitig Befürworter der Kooperation mit Deutschland denn ihnen war es bewusst, dass der Weg in den Westen die Unterstützung der deutschen Regierung bedarf und beständige Instrumente der zweiseitigen Kooperation geschaffen werden müssen. Im Gegenteil Politiker, die gegen die Festigung der deutsch-polnischen Beziehungen waren, sprachen sich auch gegen die Integration mit der Europäischen Union aus. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist die Gestalt des Stettiner Oppositionsaktivisten Marian Jurczyk. Er war der Unterzeichner der Auguster Abkommen, nahm in der I Landesversammlung der Delegierten von NSZZ „Solidarność“ in Danzig teil, war der Mitglied der Landeskommission und später der Kritiker von Lech Wałęsa. Deshalb gründete er eine konkurrierende Organisation „Solidarność 80“. Wenn seine Oppositionskollegen in den 90-er Jahren des XX Jh. die Rahmen der polnischen auswärtigen Politik schufen und laut ihre euroatlantischen Inspirationen artikulierten, behandelte Jurczyk mit der Missbilligung die Bestrebungen Polens mit in die euroatlantischen Strukturen integriert zu werden. Er war ein Gegner die deutsch-polnische Kooperation zu vertiefen und am Ende seiner politischen Kariere trat er der Selbstverteidigung der Republik Polen, einer europaskeptischen Gruppierung, die Landwirte vereinigte, bei. Die Selbstverteidigung kritisierte den von der Leszek Millers Regierung ausgehandelten Akzessionsvertrag, darunter kein Verbot das anbaufähiges Boden an die Ausländer zu verkaufen.

Während der Auseinandersetzung mit dem Prozess der Versöhnung mit Deutschland kann die Rolle der katholischen Kirche als den Pionier des deutsch-polnischen Dialogs nicht außer Acht gelassen werden. Wobei das Episkopat anfangsweise skeptisch gegenüber der Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union eingestellt war, weil es die Verweltlichung der Gesellschaft und die Ablehnung der christlichen Werte befürchtete. Seine Einstellung gegenüber der europäischen Integration entfaltete sich erst in der zweiten Hälfte der 90—er Jahre des XX Jh. Nichtsdestoweniger waren viele katholische Geistliche immer noch gegen der EU und sammelten um sich antieuropäische Politiker, sowohl die, die ihre politische Aktivität in der Volksrepublik Polen angefangen hatten als auch die jüngeren Generationen.

Das Symbol der Teilung innerhalb der demokratischen Opposition aus den Zeiten der Volksrepublik Polen ist der Runde Tisch, also die Dialogplattform damaliger Macht, Opposition und der katholischen Kirche. Während der Debatten hoben sich die Unterschiede bezüglich der Gestaltung von der inneren und auswärtigen Politik Polens hervor. Doch die negativen Konsequenzen des politischen und wirtschaftlichen Wandels besiegelten diese Teilung. Am öftesten die Gegner der Rundtischabkommen – waren Politiker, die nicht an den Debatten teilnahmen oder ihre Rolle in damaligen Geschehnissen zu verleugnen versuchten. Sie hatten eine negative Einstellung gegenüber der Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union. Jedoch die Politiker, die die Debatten am Runden Tisch als Erfolg betrachten, sind auch positiv gegenüber den euroatlantischen Strukturen eingestellt und betonen das Bedürfnis der deutsch-polnischen Kooperation im Rahmen der EU und nicht nur.

Da das Ziel des Projekts ist den polnischen Europaskeptizismus zu erforschen, wird außerdem sowohl die Stellungnahme der Politiker von der demokratischen Opposition in der Volksrepublik Polen in den 80-er Jahren des XX Jh. betreffs der Rolle Polens in den internationalen Beziehungen als auch die Entwicklung ihrer Ansichten unter dem Einfluss, der am Runden Tisch getroffenen Entscheidungen und ihre Stellungnahme zur Richtung der auswärtigen Politik der Republik Polen analysiert. Es werden die Aussagen der Politiker in den Medien, die Programmdokumente von den Gruppierungen, die sie vertreten haben, politische Deklarationen und Ihre Auswirkung auf die Öffentlichkeit verglichen. Einer tiefgründigen Analyse werden die Quellen der Teilung der Opposition unter der Opposition selbst unterzogen, derer Verankerung die Folge der Rundtischabkommen gewesen ist. 

 

 

Teilprojekt 2:
From the Return to Europe framework to the EU-scepticism. Polish Debate on the European identity and values?

Bearbeiterin: Olga Gontarska

[English description here]

Das Teilprojekt umfasst Historisierung des Euroskeptizismus, Berücksichtigung der großen Bandbreite „euroskeptischer” Einstellungen und Ermittlung der in der Diskussion instrumentalisierten Ideen.

Im Mittelpunkt des Interesses steht, die in der Debatte aktiven Akteure (individuell, kollektiv und institutionell) zu markieren und ihre Aussagen (in Bezug auf Medien, finanzielle Unterstützung und politische Zugehörigkeiten) zu kontextualisieren. Zudem sollen Ideen wie beispielsweise der polnische Messianismus, Polonia Antemurale Christianitatis und der Verrat des Westens identifiziert werden.

Ausgangspunkt sind die Fragen, wie die verschiedenen Etappen des polnischen Integrationsprozesses in die EU den Einstellungswandel beeinflussten und inwieweit dieser Wandel durch die Weiterentwicklung des von der EU als Grundlage der europäischen Identität geförderten Wertesatzes bedingt war. Eine der Hypothesen ist, dass die Erfahrung der Fremdherrschaft eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Idee des Widerstandes gegen jeglichen Versuch der Einmischung in innere Angelegenheiten spielt.

Eine der Forschungsfragen befasst sich mit dem Problem, inwiefern die Herausforderung einer gemeinsamen europäischen Geschichte einen neuen Impuls für die Entstehung  euroskeptischer Positionen darstellte. Im Rahmen der Forschung wird u.a. den Debatten um das Haus der Europäischen Geschichte (Brüssel) und das Museum des Zweiten Weltkriegs in Polen als Fallstudien Aufmerksamkeit gewidmet.


Vatikan

Bearbeiterin: Viktoriia Serhiienko

Das Hauptforschungsinteresse im Rahmen des laufenden Forschungsprojekts ist die Politik des Vatikans gegenüber der UdSSR und anderen Ländern des Warschauer Pakts nach dem Zweiten Weltkrieg.



03
Okt
Tagung
Na styku kultur. Kaszubi i inne narody
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