Mehr als 1000 Worte. Was kann man aus Fotos lernen?
Do. 27.11.2025 | 18:00
Warszawa

„Ein Bild sagt mehr sagt als tausend Worte.“ Stimmt das tatsächlich oder handelt es sich bei diesem bekannten Sprichwort um eine rhetorische Figur?
Tausend Worte entsprechen etwa drei A4-Seiten, die man in etwa 7-8 Minuten liest. Verbringen wir wirklich genauso viel Zeit damit, ein einzelnes Foto zu beschreiben? Welche Informationen können wir aus einem Bild herauslesen und wie funktioniert das?
Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Das Wort „Fotografie” selbst hat viele Bedeutungen. Es kann sich um einen einzelnen Papierabzug oder um ein ganzes Medium handeln. Es kann sich auf eine Daguerreotypie oder auf eine digitale Aufzeichnung beziehen. Es kann ein Urlaubssouvenir genauso wie ein Kunstwerk bezeichnen. In jedem Fall müssen viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden - technologische, soziale, kulturelle, politische etc.
Wenn wir darüber nachdenken, „was Fotografie aussagt”, beziehen wir uns auf die aus dem Journalismus bekannte 5W- und H-Formel. Diese besagt, dass ein Artikel Antworten auf die Fragen „Was?”, „Wer?”, „Wann?”, „Wo?”, „Warum?” und „Wie?” enthalten sollte. Anhand mehr oder weniger bekannter historischer Fotografien – sowohl von anonymen Amateuren als auch von bekannten Profis – werden wir überprüfen, wie Fotografien jede dieser Fragen beantworten. Wir werden darüber nachdenken, wie sie Zeit und Raum abbilden, wie sie Menschen und Ereignisse darstellen. Wir werden sehen, wie der Kontext ihre Bedeutung verändert, wie sie in Ausstellungen und Fotobüchern funktionieren.
Die Veranstaltung ist keine akademische Vorlesung, sondern eine Reihe von Überlegungen, in denen sich die Erfahrung der Arbeit mit Archivfotos mit der Faszination für die zeitgenössische Dokumentar- und Kunstfotografie verbindet.
Wir laden herzlich zu unserer nächsten Veranstaltung der Reihe „Biblioteka NIH: Tu się rozmawia“ (DHIW-Bibliothek: Hier wird gesprochen) in unsere Bibliothek ein.
Tomasz Stempowski ist Historiker und Archivar am Institut für Nationales Gedenken (IPN) sowie Autor und Mitautor von Artikeln und Büchern, darunter: Piaszczyste drogi karpatczyków. Fotografien von Hauptmann Karol Angerman aus den Jahren 1940‒1944, Fotosammlung der Hauptkommission zur Untersuchung von Verbrechen gegen das polnische Volk, Polnische Wege durch die Schweiz. Das Schicksal der Soldaten der 2. Infanteriedivision 1940–1945 in Fotografien aus den Sammlungen des Polnischen Museums in Rapperswil, Die Belagerung Warschaus in den Fotografien von Julien Bryan, Die Karriere des SS-Oberscharführers Hermann Baltruschat 1939–1943. Fotoalbum eines Beamten der Einsatzgruppe und der Geheime Staatspolizei auf den in das Reich eingegliederten polnischen Gebieten, Recht im Film. Er betreibt einen Blog über historische Fotografie – fototekst.pl.
Veranstaltungsort: Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts Warschau, Al. Ujazdowskie 39, Warschau
Veranstaltungssprache: Polnisch
- Eintritt frei -