Entangled Transformations: Temporalities, Experiences, and Critical Histories of Postsocialist Change in Europe
Mi. 09.12.2026 | 10:00
Warschau

Internationaler Workshop, organisiert vom Institut für Geschichte der Universität Warschau und dem Institut für Public History der FernUniversität in Hagen sowie dem Deutschen Historischen Institut Warschau
9.–11. Dezember 2026
Die Umbrüche, die die sozialistischen Staaten in Europa Ende des 20. Jahrhunderts neu prägten und oft in den Rahmen einer triumphalistischen Erzählung eingeordnet werden – am deutlichsten zum Ausdruck gebracht im Konzept vom „Ende der Geschichte“ (Fukuyama, 1989) –, werden meist durch die teleologischen Rahmenkonzepte des „Transitionsprozesses“, der „Rückkehr nach Europa“ und des „Aufholens“ gegenüber einem normativen Modell politischer und wirtschaftlicher Modernität beschrieben. Doch wie eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten gezeigt hat (Ghodsee 2011; Massino und Wien 2024; Kolářová 2025; Johnston et al. 2026), verschleiern diese Narrative die ungleichmäßigen, affektiv aufgeladenen und oft nichtlinearen Prozesse, durch die postsozialistische Gesellschaften neu geformt wurden.
Dieser internationale Workshop zielt darauf ab, die soziohistorische Forschung zu den Transformationen des Staatssozialismus in Mittel- und Osteuropa, der UdSSR sowie Jugoslawien zu fördern. Er fördert einen interdisziplinären Dialog über die gelebten Erfahrungen der Transformation, die Mechanismen des gesellschaftspolitischen wie auch des wirtschaftlichen Wandels und die vielfältigen Wege, auf denen Gesellschaften diese Zeit des Umbruchs und der Instabilität bewältigten.
Ausgehend von kritischen Perspektiven der postsozialistischen Studien versucht dieser Workshop, den Wandel nicht als abgeschlossenen historischen Bruch zu betrachten, sondern als einen langfristigen, andauernden und bisweilen chronisch unvollendeten Prozess, der Gesellschaften, Institutionen und soziale Identitäten neu geformt hat. Unser Ziel ist es, die „longue durée“ der Transformation zu untersuchen, die die umfassenderen Prozesse des Zerfalls der sozialistischen Ordnung und den Aufbau neuer Strukturen in den 1980er und 1990er Jahren umfasst, und über alternative, von lokalen Kontexten geprägte Chronologien der Transformation nachzudenken. Übergeordnet stellt dieser Workshop die Frage: Wie können wir Geschichten der Transformation schreiben, die sowohl Struktur als auch Erfahrung, sowohl Bruch als auch Kontinuität sowie sowohl das Außergewöhnliche als auch das Alltägliche ernst nehmen? Wie haben verschiedene Gesellschaften den Wandel vor und nach den kanonischen Jahren 1989 und 1991 erlebt und erzählt? Welche wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verschiebungen fanden jenseits der etablierten historischen Bruchstellen statt?
Der Workshop findet vom 9. bis 11. Dezember 2026 am Institut für Geschichte der Universität Warschau statt. Eine Veröffentlichung der ausgewählten Beiträge ist geplant.
Organisationskomitee:
Dr. Janine Fubel, Fachbereich Public History, FernUniversität in Hagen
Katarzyna Szarla, Institut für Geschichte, Universität Warschau
Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Felix Ackermann, Fachbereich Public History, FernUniversität in Hagen
Prof. Dr. Dobrochna Kałwa, Fachbereich Geschichte, Universität Warschau
Prof. Dr. Claudia Kraft, Forschungszentrum für Transformationsgeschichte, Wien
Prof. Dr. Jannis Panagiotidis, Forschungszentrum für Transformationsgeschichte, Wien
Prof. Dr. Joanna Wawrzyniak, Direktorin des Zentrums für Sozialgedächtnisforschung, Fakultät für Soziologie, Universität Warschau
Kontakt
transformations@uw.edu.pl