Wem gehören die Berge? Prozesse der Bezwingung, Kultivierung und Aneignung des Gebirges

Tagung

Mi. 16.10.2019 | 09:00 -
Fr. 18.10.2019 | 11:30 Uhr
Prof. Dr. Miloš Řezník
Polanica-Zdrój

Mit der provokativen Frage „Wem gehören die Berge?“ steht das (breit verstandene) Thema der Bezwingung, Kultivierung und Aneignung des Gebirges im Fokus der 7. Tagung „Gebirge – Literatur – Kultur“. Die besonderen Gegebenheiten des Gebirgsraums, das Klima, seine physikalische Formation und die Natur, prägen seine Beeinflussung durch den Menschen. Im Unterschied zu anderen bearbeiteten und bewohnten Landschaften zeichnen sich die Berge fast immer durch Unzugänglichkeit aus, was erhebliche Probleme bei Bewirtschaftung und Kultivierung bereitet. Mit der Frage „Wem gehören die Berge?“ möchten wir die Zusammenhänge ins Zentrum stellen, die die Bezwingung, Kultivierung und Aneignung des Gebirges durch verschiedene Akteure und deren berufliche, künstlerische, sportliche, soziale, ökonomische und politische Aktivitäten bestimmten und bestimmen.

Folgende thematische Schwerpunkte sollen die Tagung leiten:

1. die Bezwingung, Kultivierung und Aneignung des Gebirges im Kontext ihrer wissenschaftlichen und touristischen Erschließung, wobei verschiedene Gruppen berücksichtigt werden könnten: Schatzgräber, Räuberbanden, Reisende, Gelehrte, Sommerfrischler/innen, Tourist/innen und Bergsteiger/innen, Schriftsteller/innen, Künstler/innen, Philosoph/innen, Pilger/innen, Investor/innen, Mitglieder von Bergvereinen und -gesellschaften
2. Prozesse der symbolischen Aneignung wie geologische, geographische und ethnographische Bergbeschreibungen oder Kartenwerke
3. Berge als Raum des Asyls, der Abgeschiedenheit und des Ausschlusses aus der Gesellschaft, also für Gruppen wie Außenseiter/inne, Vertriebene, Einsiedler/innen, für ethnische, religiöse und kulturelle Minderheiten, für (z.B. religiös) Verfolgte
4. Literatur und Kunst als Werkzeuge, die die Bezwingung, Kultivierung und Aneignung der Gebirge dokumentierten, kommentierten, aber auch kreierten sowie als Medien der Vermittlung kultureller Veränderungen fungierten, wobei wir breiter gefasste Beiträge, die über die Interpretation einzelner literarischer Werke oder des Werks eines einzelnen Autors/einer einzelnen Autorin hinausgehen, bevorzugen.
5. Berge als eine Enklave der unberührten Natur – und die damit einhergehenden Aktivitäten von Ökolog/innen sowie der mit Landschafts-, Kultur- und Naturschutz befassten Kreise
6. Berge als Raum, in dem ökonomische, soziale oder kulturelle Gruppeninteressen realisiert werden, wobei es uns vor allem um die Frage geht, inwiefern das Gebirge als solches für unterschiedliche Akteure zum Gegenstand spezifischer Aneignungen wird, inwiefern durch die Spezifik der Berge spezifische Zugehörigkeits- und Besitzformen generiert werden, während wir vor dem Hintergrund des bisherigen Forschungsstandes interstaatliche, militärische, nationale und ethnische Konflikte eher hintanstellen wollen.

Die internationale Tagung "Gebirge-Literatur-Kultur": Wem gehören die Berge? Prozesse der Bezwingung, Kultivierung und Aneignung des Gebirges findet in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa in Leipzig (GWZO) und der Abteilung für geisteswissenschaftliche Forschung zu Bergthemen am Institut für Polnische Philologie der Universität Breslau statt.

Zum vollständigen Tagungsprogramm geht es hier:

PROGRAMM

01
Sep
Tagung
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