Dr. Bernhard Struck & Marcel Koschek (St. Andrews): Polnische Esperantisten als lokale Internationalisten? Die Esperantobewegung in Ostmitteleuropa, 1880s-1930

Vortrag

Di. 27.10.2020 | 14:00 Uhr
Warschau

Ludwik Leijzer Zamenhof. Der Name allein ist in der Regel verbunden mit den folgenden Assoziationen: Esperanto, Białystok, Polen, Universalsprache. Mit seinen beiden ersten Publikationen, Unua Libro (1887) und Dua Libro (1888), gilt „Dr. Esperanto“ als der Urheber und Erfinder von Esperanto und der Vater der Esperantobewegung, die seit ca. 1900 Anhänger in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden fand. Polen (und das späte Zarenreich) ist das Ursprungsland, die „Heimat“ der Esperantobewegung. Aber wer waren die frühen polnischen Esperantisten? Wie vernetzten sie sich in Polen und über Polen hinaus auf lokaler, regionaler, nationaler und transnationaler Ebene? Welche Bedeutung und Funktion hatte Esperanto für die frühen Generationen von polnischen Esperantisten? Waren sie (lokale) Internationalisten, nationale Internationalisten, pragmatisch orientierte Ärzte, Ingenieure und Zuckerfabrikanten (ja, die gab es auch) oder utopisch gesinnte Humanisten (im Sinne Zamenhofs)? Der Vortrag von Bernhard Struck und Marcel Koschek nähert sich der polnischen und mitteleuropäischen Esperantobewegung über mehrere Ebenen und Räume: internationale Kongresse, lokale Esperantovereine, Zeitschriften, und Korrespondenzen.

Bernhard Struck ist Reader / Associate Professor in Modern European History an der Universität St. Andrews (UK). Promoviert wurde er 2003 an der Technischen Universität Berlin und der Université Sorbonne mit seiner Arbeit „Nicht West - nicht Ost. Frankreich und Polen in der Wahrnehmung deutscher Reisender, 1750-1850” (Göttingen 2006). Struck ist Gründungsdirektor des Institute for Transnational & Spatial History in St. Andrews. Zu seinen Forschungsgebieten gehören historische Reiseforschung, Raumkonzepte, Wissenschaftsgeschichte, vergleichende und transnationale Geschichte. Seit 2019 leitet er das Projekt „Esperanto and Internationalism, c. 1880s-1920s“. Von 2019 bis 2020 war er Gastprofessor an der Karls-Universität Prag.

Marcel Koschek studierte Geschichte und Politikwissenschaften in Würzburg und Bonn. Seit 2019 ist er Doktorand an der University of St. Andrews. Gegenwärtig arbeitet er am Projekt mit dem Titel „Local Internationalists. Polish and Central European Esperantist Networks between the local, national and global, 1880-1920s”.

23
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