Home Movies. Unerwünschte Archive

Filmvorführung

Di. 27.10.2020 | 18:00 Uhr
Warschau

--- verschoben auf 2021 ---

Wir zeigen in Polen völlig unbekannte Filmzeugnisse aus der Zeit der deutschen Besatzung, die von deutschen Soldaten und Unternehmern aufgenommen wurden. Sie alle waren auf dem Gebiet der ehemaligen Zweiten Polnischen Republik stationiert.
1932 präsentierte die Firma Kodak eine Erfindung, die das Kino revolutionierte – leichte, tragbare Kameras. Das 8-mm-Band war schmaler als bei professionellen Geräten und erlaubte die Aufnahme von 10 Minuten auf nur einer Rolle. Begleitet vom Werbespruch „Sie drücken den Knopf, wir machen den Rest.“ bot das Unternehmen einen Rundumservice an. Amateurfilmer nahmen von da an nahezu alles auf Band auf: Berichte von Urlaubsreisen, Familienfeiern, öffentlichen Veranstaltungen, Spaziergängen und dem Alltagsleben zu Hause. Einige versuchten sogar, Genre-Szenen zu drehen. 
Der Ausbruch des Krieges bedeutete keineswegs das Ende der Karriere des Heimkinos. Amateurfilmer in Soldatenuniformen reisten durch ganz Europa und kamen überall dorthin, wo deutsche Truppen stationiert waren. Sie fingen ein, was die Kameras, die für die Propaganda des Dritten Reiches filmten, nicht sehen wollten: zerstörte Städte und Dörfer, Straßen voller verzweifelter, hilfloser Menschen. Je länger der Krieg andauerte, desto dramatischer wurden die aufgenommenen Bilder: Gräber von Toten, Massenhinrichtungen von Zivilisten, brennende Dörfer. Der Krieg war vorbei, und die Filme wurden zu einem beschämenden Erinnerungsstück, einem weiteren unangenehmen Vermächtnis der Geschichte. Sie landeten auf Dachböden, geschlossen, verstaubt, schlecht gelagert – sie schaffen ein unerwünschtes Archiv. 
Diese unbekannten und abgelehnten Filmdokumente aus der Zeit der deutschen Besatzung, die von Soldaten und Geschäftsleuten aufgenommen wurden, sind Gegenstand der Veranstaltungen. An fünf Terminen werden ausgewählte Fragmente von Filmen gezeigt, die neue Aspekte und Perioden des Alltagslebens in den besetzten polnischen Gebieten beleuchten. 
Das Projekt wird von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit kofinanziert. Partner sind das Deutsche Historische Institut Warschau und das Historische Forschungszentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.


Programm

15. September 2020, 18:00 Uhr
Treffen mit dem Osten 
Bei der Einreise nach Polen im September 1939 und dann im Juni 1941 wurden viele Deutsche mit Amateurkameras ausgestattet. Der erste Kontakt dieser Menschen mit dem Osten ist folglich gut dokumentiert. Doch was schockierte, überraschte, faszinierte die Deutschen mit ihren Kameras? Welches Bild der ehemaligen Zweiten Polnischen Republik zeichnen diese Aufnahmen? Was hat das, was sie gefunden haben, mit dem Propagandabild von Polen zu tun? 

Gäste: Prof. Włodzimierz Borodziej, Dr. Felix Ackermann
Moderation: Michał Wójcik 

29. September 2020, 18:00 Uhr
Verschiedene Versionen Polens
Wie unterschied sich die Situation der Bewohner der Zweiten Polnischen Republik während der deutschen Besatzung, in Abhängigkeit davon, in welchem Teil des Landes sie vor dem Krieg gelebt hatten? Was waren die Pläne des Dritten Reiches für bestimmte Gebiete? Während der Veranstaltung werden Amateurfilme aus Zakopane, den Provinzen innerhalb des Generalgouvernements, den in das Reich eingegliederten Gebieten (z.B. Posen) und den östlichen Gebieten (z.B. Bezirk Lwow) sehen. 

13. Oktober 2020, 18:00 Uhr
Die jüdische Bevölkerung unter deutscher Besatzung 
Es gibt viele Amateurfilme, die die jüdische Bevölkerung und die Ghettos auf dem ehemaligen polnischen Gebiet während der ersten deutschen Besatzungszeit zeigen. Wie unterscheiden sich diese vom Propagandamaterial? Warum haben die Deutschen so oft Ghettos aufgezeichnet und was hat sie daran fasziniert?

27. Oktober 2020, 18:00 Uhr
Besetztes Warschau 1939-1945 
Welches Bild vom besetzten Warschau entsteht aus den deutschen Amateuraufnahmen? Was war für die hier stationierten Deutschen die Hauptstadt Polens – eine Touristenattraktion, ein Schlachtfeld, eine Station auf dem Weg nach Osten? 

17. November 2020, 18:00 Uhr
Alltag des Besetzers / Okkupanten
Wie war der Alltag der Deutschen im besetzten Land? Wie haben sie ihr Leben dort gestaltet, wie haben sie gelebt, wie haben sie ihre Freizeit verbracht und wie war ihr Verhältnis zur lokalen Bevölkerung? Wir werden unter anderem über Amateurfilme als Quelle für die historische Forschung sprechen. Was tragen diese Materialien zu unserem Wissen über den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg bei? Wie unterscheiden sie sich von anderen Quellen, offiziellen Dokumenten, Zeugenberichten, Fotos oder Propagandafilmen? Worauf sollten wir bei ihrer Analyse besonders achten?

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