Prof. Dr. Andreas Rutz (Dresden): Raum und Herrschaft im Heiligen Römischen Reich in Mittelalter und Früher Neuzeit

Vortrag

Di. 05.10.2021 | 14:00 Uhr
Warschau

Die Kategorie ‚Raum‘ hat in den letzten Jahren eine neue
Bedeutung für die Kulturwissenschaften erlangt. Auch die
historische Forschung hat von diesem ‚spatial turn‘ profi-
tiert und befasst sich intensiv mit der Konstruktion von
Räumen durch die zeitgenössischen Akteure. In seinem 2018
erschienenen Buch Die Beschreibung des Raums. Territo-
riale Grenzziehungen im Heiligen Römischen Reich vermisst
Andreas Rutz das Verhältnis von Raum und Herrschaft vor
dem Hintergrund dieser aktuellen methodischen Diskussion
neu: Zum genuinen Bestandteil eines Staates gehören ein-
deutig definierte Grenzen. Vom Mittelalter bis an das Ende
des 18. Jahrhunderts wurden sie verbal beschrieben, mate-
riell und symbolisch markiert und schließlich auch kartogra-
phisch dargestellt. Im Vortrag werden Verfahren territoria-
ler Grenzziehung und ihre Bedeutung für die Entstehung
politischer Räume im Heiligen Römischen Reich genauer vor-
gestellt und analysiert. Eine besondere Bedeutung kommt
dabei der herrschaftlichen Nutzung von (Grenz-)Karten zu,
deren Überlieferung überaus reich ist und das Thema beson-
ders anschaulich werden lässt.


Andreas Rutz ist seit September 2019 Inhaber des Lehrstuhls
für Sächsische Landesgeschichte an der TU Dresden, ab Früh-
jahr 2020 wird er zudem Direktor des Instituts für Sächsi-
sche Geschichte und Volkskunde. Nach seiner Habilitation
2014 in Bonn übernahm er Lehrstuhlvertretungen in Münster,
Bonn und Düsseldorf sowie eine Kurzzeitdozentur in Tokio.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die vergleichen-
de Landes- und Stadtgeschichte sowie die Geschichte der
Frühen Neuzeit. Sein aktuelles DFG-Projekt trägt den Titel
Weibliche Herrschaftspartizipation in der Frühen Neuzeit.
Regentschaften im Heiligen Römischen Reich in westeuro-
päischer Perspektive.

 

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