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Vortrag

Prof. Claudia Jarzebowski: Violence and Emotion. Children and Youth in Early Modern Europe and beyond

Datum und Ort

Di. 14.04.2026 | 18:00

Warschau

Kinder gehören zu den schutzbedürftigsten Gruppen der Gesellschaft. Das war in der Frühen Neuzeit nicht anders. Tatsächlich waren Kinder im Laufe der Geschichte immer wieder Gewalt ausgesetzt: in Kriegszeiten, auf Migrationsrouten, in ihrer Arbeitsumgebung, in Sklaverei und Leibeigenschaft, Jungen wie Mädchen gleichermaßen. Zusätzlich zu diesen Kontexten von Gewalt erlebten Kinder auch im Alltag direkte körperliche Gewalt: durch Bestrafung (Auspeitschen, Schlagen, sogar Todesstrafe), sexuelle Übergriffe, Verweigerung von Nahrung und vieles mehr. 

Die Kontexte und Praktiken von Gewalt gegen Kinder werfen zwei weitere Aspekte und Fragen auf: Erstens kann man sich fragen, ob die Menschen in der frühen Neuzeit – Erwachsene, Lehrer, Eltern, Aufsichtspersonen, Juristen, Theologen und viele andere – eine Vorstellung von den emotionalen Auswirkungen von Gewalt auf Kinder hatten, sei es direkt als Opfer oder als Zeugen von Gewalt gegen andere (z. B. bei öffentlichen Hinrichtungen oder Prangerstrafen). 

Zweitens aus methodologischer Sicht: Wie können Historiker:innen eine so schutzbedürftige und oft missbrauchte soziale Gruppe untersuchen, die kaum Quellen (Tagebücher, Briefe usw.) über ihre Erfahrungen mit emotionaler und körperlicher Gewalt hinterlassen hat? 

Claudia Jarzebowskis Vortrag plädiert für einen Perspektivwechsel in der Geschichte der Kindheit, der sich stärker auf Kinder und ihre emotionalen Fähigkeiten konzentriert. Dies könnte ein Weg sein, um endlich die Idee hinter traditionellen Ansätzen zur Geschichte der Kindheit zu überwinden, die Vernachlässigung und Gleichgültigkeit gegenüber jungen Menschen stärker betonen als elterliche Fürsorge und Zuneigung. Ein kindzentrierter Ansatz hilft dabei, Perspektiven zu verschieben, und ermöglicht multiperspektivische Ansätze durch die Linse der Geschichte der Emotionen.

Moderation: Kałwa Dobrochna

Veranstaltungsort: Warschauer Universität (Uniwersitet Warszawski, Sala Kolumnowa, Wydział Historii)

Partner: Wydział Historii Uniwersytetu Warszawskiego

Beginn: 18:00 Uhr

Vortragssprache: Englisch