PD Dr. Sabine Stach (Leipzig): Tracing communism in Prague's urban landscape. An on-site reflection on tourist offers
Mo. 20.04.2026 | 16:00
Prag

Neben dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit wird seit langem auch die jüngere Geschichte als touristische Attraktion in historischen Stadtzentren Ost- und Mitteleuropas vermarktet. Abgesehen vom Zweiten Weltkrieg kann das Erbe des Kommunismus als Alleinstellungsmerkmal genutzt werden, um osteuropäische Städte von ihren westeuropäischen Pendants abzuheben. Aber wie genau wird die jüngere Geschichte einem internationalen Publikum mit geringen Vorkenntnissen präsentiert? Welche Rolle spielt dabei der städtische Raum selbst, und welche Bedeutung haben die nationalen Besonderheiten der Geschichts- und Erinnerungskultur? Wie lassen sich die schwierigen Aspekte der kommunistischen Herrschaft in ein Freizeitangebot integrieren, das Unterhaltung und Spaß verspricht?
Ausgehend vom Seminarraum und dann auf den Straßen Prags teilt Sabine Stach Erkenntnisse aus ihrer Studie von 2025 über „Kommunismus-Touren”. Sie diskutiert Stadtführungen als performative Angebote, die bestimmte Orte in Touristenattraktionen verwandeln und historische Räume produzieren. Während wir selbst nach Spuren suchen, sehen wir, dass sich die Interpretation des Staatssozialismus im historischen, von Touristen gefüllten Zentrum Prags anders entfaltet als beispielsweise in Warschau oder Bratislava. Die Stadtführung wird von der Anthropologin Barbora Spalová begleitet und kommentiert.
Dr. Sabine Stach ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur Osteuropas (GWZO) in Leipzig. Nach ihrer Promotion in Kulturwissenschaften im Jahr 2015 war sie Teil des ehem. Forschungsbereiches „Funktionalität der Geschichte in der Spätmoderne” am DHI Warschau. Sie beschäftigt sich mit tschechischer und polnischer Kulturgeschichte, (post-)sozialistischen Erinnerungsregimen, Geschichtspraxis in der Populärkultur und Tourismusgeschichte. Für ihre Habilitation im Jahr 2025 analysierte sie, wie die der Kommunismus in Stadtführungen repräsentiert wird. Sabine Stach ist auch Initiatorin des Citizen Science Projekts „Schreib Dich durch die Neunziger!“, das Menschen verschiedener Generationen in Ostdeutschland dazu einlud, ihre Erinnerungen an die Wendezeit mit Hilfe kreativer Schreibmethoden zu dokumentieren.
Venue: CESES, Voršilská 144/1 – The lecture will include a walk in the city centre of Prague.
Die „Prager Vorträge“ sind eine Kooperation der Prager Außenstellen des Deutschen Historischen Instituts Warschau, des Collegium Carolinum, sowie der Abteilung „Wissen und Partitipation“ des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), sowie deutsch-tschechischender gemeinsamen Forschungs- und Vermittlungsplattform mit der tschechischen Akademie der WissenschaftenGWZO prague FLÚ.