Buchvorstellung: Polnische Ausgabe von Malte Rolfs Studie „Imperiale Herrschaft im Weichselland“

Am Freitag, den 25. November 2016 um 11.00 Uhr findet im Kinosaal bei den Kubicki-Arkaden des Warschauer Königsschlosses eine Vorstellung der polnischen Ausgabe von Malte Rolfs Buch „Imperiale Herrschaft im Weichselland: Das Königreich Polen im Russischen Imperium (1864–1915)“ (2014) statt. Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms der 25. Messe des Historischen Buchs, auf der sich vom 24. bis 27. November auch das DHI präsentieren wird. Die polnische Ausgabe ist unter dem Titel „Rządy imperialne w Kraju Nadwiślańskim. Królestwo Polskie i cesarstwo rosyjskie (1864–1915)“ im Warschauer Universitätsverlag erschienen. An der Veranstaltung, die polnisch-deutsch gedolmetscht wird, nehmen Prof. Malte Rolf und Prof. Andrzej Chwalba teil, Moderatorin ist die stellvertretende Direktorin des DHI Warschau, Prof. Ruth Leiserowitz.

Malte Rolf beschreibt in seinem Buch die Strukturen und Akteure imperialer Herrschaft im Königreich Polen von der Niederschlagung des Januaraufstands 1863/64 bis hin zu dem Moment, als sich die Russen während des Ersten Weltkriegs aus den polnischen Gebieten zurückzogen. Das „Weichselland“ hatte als eine der bevölkerungsreichsten, militärstrategisch und wirtschaftlich wichtigsten Peripherien des Russischen Reichs einen zentralen Stellenwert für den übergeordneten Zusammenhang des Imperiums.

Rolf stellt die These auf, dass das imperiale Regime dieses Gebiet als ein Laboratorium betrachtete, in dem Praktiken der Herrschaftssicherung und Integrationskonzepte erprobt wurden. Auch deshalb ermöglicht eine Studie zur imperialen Herrschaft im Königreich grundlegende Einsichten in jene Techniken, mit denen das Russische Reich seine Randgebiete inkorporierte und transformierte. Im Zentrum der Studie steht Warschau als Sitz des bürokratischen Apparats und Raum der Interaktion zwischen der zarischen Administration und der einheimischen Bevölkerung. Untersucht werden u.a. die alltägliche Praxis der imperialen Machtausübung und deren erhebliche Prägekraft für die sozialen und kulturellen Strukturen einer der wichtigsten Reichsprovinzen.

Die polnische Version wurde um ein umfangreiches Kapitel zur Universität Warschau im behandelten Zeitraum erweitert, die Literaturliste um ausgewählte polnische Titel ergänzt.

Malte Rolf studierte von 1992 bis 2000 Geschichte, Germanistik und Russisch in Tübingen und Berlin; in diese Zeit fallen auch mehrere Studienaufenthalte in Sankt Petersburg, Moskau und Woronesch. 2004 promovierte er zum Thema „Das sowjetische Massenfest (1927–1941)“ an der Universität Tübingen, 2012 habilitierte er sich an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Thema „Imperiale Herrschaft im Weichselland: Das Königreich Polen und das Russische Imperium (1864–1915)“. Die Studie erschien 2014 in der Reihe „Ordnungssysteme. Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit“.
Von 2000 bis 2007 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2007–2012 war er als Juniorprofessor für Osteuropäische Geschichte an der Leibniz Universität Hannover tätig. Seit 2012 lehrt er an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

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Nov
Kolloquium
Maren Hachmeister (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München)
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