100 Jahre Vorläufigkeit. Nicht anerkannte Staaten am Ende des Ersten Weltkriegs und nach dem Kalten Krieg

Joachim-Lelewel-Gespräch

Di. 20.03.2018 | 18:00 Uhr
Dr. Felix Ackermann
Warschau

FLYER

Panelisten: Maciej Górny, Klaus Richter, Per Anders Rudling und Daria Isachenko
Moderation: Felix Ackermann

100 Jahre nach Gründung der Weißruthenischen Volksrepublik lädt das Deutsche Historische Institut Warschau zu einem Lelewel-Gespräch über den Zusammenhang von Staatlichkeit und Zeitlichkeit ein. Ausgangspunkt ist die Diskussion darüber, wie Argumente über die Vergänglichkeit von Staaten im Laufe des 20. Jahrhunderts als politische Waffe eingesetzt wurden, um staatliche Anerkennung zu verweigern.

Wie die Ukrainische gehörte die Weißruthenische Volksrepublik zu den Staaten, die zwischen den Russischen Revolutionen 1917 und dem Ende des Ersten Weltkriegs ausgerufen wurden. Ihre Gründer machten 1918 territoriale Ansprüche geltend, um einerseits dem im Entstehen befindlichen unabhängigen Polen und andererseits einer Besetzung durch die Bolschewiki zuvorzukommen. Dabei wurden sie zunächst vom Deutschen Reich unterstützt, das noch Besatzungsmacht war und ein taktisches Interesse an der Entstehung von möglichst vielen Staaten in der Region hatte. Anderseits waren sie bei der Durchsetzung ihrer Forderungen nach Kriegsende auf weitere Unterstützung von außen angewiesen, die jedoch ausblieb. Parallel zur Nicht-Anerkennung dieser Staaten erfolgte die gezielte Anerkennung anderer neuer Staatsformationen an den Peripherien der zerfallenden Imperien.

Lässt sich dieser taktische Einsatz der Unterstützung temporärer Staatsgründungen 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs als Waffe in einem geopolitischen Kriegsszenario verstehen? Die Diskutanten des Lelewel-Gesprächs vergleichen die  Instrumentalisierung von Staatlichkeit mit jenen Fällen nicht anerkannter Staaten, die nach dem Ende des Kalten Krieges auf dem ehemaligen Gebiet der Sowjetunion ausgerufen wurden.  Der Blick nach Transnistrien und in die von Russland aus unterstützten „Volksrepubliken“ im Osten der Ukraine zeigt die Brisanz des Themas für die Gegenwart Europas.

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