Italienische Kommunisten und der späte Stalinismus

Der Vortragende am 22 November 2023 bezeichnet sich selbst als „Architekten großer Erzählungen“. Historiker Prof. Mark Gilbert lehrt seit über 20 Jahren an der renommierten Johns Hopkins School of Advanced International Studies in Bologna. Wie der Wissenschaftler betonte, sei Geschichte für ihn mehr als nur eine strenge akademische Disziplin. Gilberts Darstellungen orientieren sich stark an der literarischen Kunst, was sich auch im essayistischen Stil seiner Werke widerspiegelt. Sein neustes Buch trägt den Titel „Italy Reborn: From Fascism to Democracy“. Zu seiner Mission gehört es, ein breites internationales Publikum zu erreichen. Um eine engere Zusammenarbeit zwischen seiner Wirkungsstätte in Bologna und professionellen Institutionen in Prag zu etablieren, präsentierte er seine Initiativen daher im Rahmen einer mehrtägigen Reise.

Für seinen öffentlichen Abendvortrag an der Prager Karls-Universität wählte der Professor das Thema „Ideologie- und Machtverhältnisse in der Kommunistischen Partei Italiens“, wobei er sich insbesondere ihrer Beziehung zu den stalinistischen Parteien in Mittel- und Osteuropa widmete. Er präsentierte verschiedene Dokumente aus italienischen Archiven, die unbekannte Kontakte zwischen hohen Funktionären Italiens und mitteleuropäischen Parteien dokumentieren und bemerkenswerte Zeugnisse der Ära des Spätstalinismus darstellen.

Während seiner fesselnden Einführung in den Einfluss der Kommunistischen Partei Italiens auf die Bildung der Nachkriegsdemokratie auf der Apenninenhalbinsel war das Auditorium der Philosophischen Fakultät voll besetzt. Dabei erläuterte Gilbert ausführlich die Dilemmata des innenpolitischen Kampfes, die auch aus dem Druck der stalinistischen Parteimitte in Moskau resultiert hätten, sowie die Fallstricke beim Aufbau von Beziehungen zu den kommunistischen Parteien des entstehenden Ostblocks. Gleichzeitig würzte er die Diskussion mit humorvollen Anmerkungen zu allgemeinen Zusammenhängen und stellte ausgewählte Schlüsselpersonen vor. An den tosenden Applaus schloss sich eine für beide Seiten bereichernde Diskussion an.

Der Historiker zeigte sich begeistert von der Gastfreundschaft Prags und dem großen Interesse der Studierenden und Experten.

 

 

04
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