Herrschaft und Gemeinschaft im Mittelalter

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akadmie der Wissenschaften legt das Deutsche Historische Institut Warschau interdisziplinäre Beiträge zu Wesen und Darstellung von Herrschaftsverhältnissen im Mittelalter östlich der Elbe vor.

Die 19 deutsch- und englischsprachigen Beiträge sind der Ertrag des zweiten Workshops der „Gentes-Trans-Albiam“-Arbeitsgruppe, die sich regelmäßig zu Themenkreisen der ostmitteleuropäischen Geschichte des Mittelalters trifft. Die Konferenz wurde im Juni 2008 in Wrocław/Polen in der dortigen Filiale des Instituts für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften unter Beteiligung von Archäologen und Historikern aus Polen, Deutschland, Frankreich, Rumänien, Kanada und Ungarn abgehalten. Dem Problemkomplex „Herrschaft und Gemeinschaft“, also der Frage wie sich Herrschaft über längere Zeit in einer bestimmten Gesellschaft oder Gemeinschaft etablieren und halten konnte, gehen die Beiträge auf sehr verschiedene Weise nach. Es geht um methodische Zugänge zu dem Thema (Sébastien Rossignol, Donat Wehner, Thomas Saile, Andrei Măgureanu), um Herrschaftskonzepte und deren Durchsetzung (Grischa Vercamer, Przemysław Wiszewski, Sébastien Rossignol, Maike Sach, Aleksander Paroń), um das Christentum als Machtfaktor, welcher die Herrschaft in vormals paganen Gesellschaften begünstigte (Stanisław Rosik, Przemysław Kulesza), um Sozialstrukturen bzw. die Konkurrenz um die Macht, die man meist erst im Spätmittelalter pointiert aus den Quellen nachvollziehen kann (Daniela Tănase, Dominik Nowakowski, Henrike Bolte), und schließlich um Grenzregionen, in denen Herrschaft geschützt wird bzw. wo es zur Vermischung/zum Treffen von Vertretern verschiedener Herrschaftsbereiche geht (Bogdan Ciupercă, Bartłomiej Szmoniewski, Laurence Leleu, Heike Kennecke, Donat Wehner). Es werden, vor allem bei den archäologischen Beiträgen, mehrheitlich einzelne Fundplätze vorgestellt und als Machtfaktoren (Burgen, Handelsplätze) interpretiert, während die Historiker meist Phänomene (Christentum, Stammestraditionen, Eroberungspolitik, Stadtgemeinde, klösterliche Gemeinde, Grundherrschaft) ins Blickfeld nehmen und im Zusammenhang mit dem übergeordneten Thema analysieren. Der Band wird durch eine methodologische Einleitung und zwei Schlussbemerkungen der Herausgeber abgerundet. Da eine Online-Version auf der Plattform perspectivia.net geplant ist, wurde kein Register erstellt.

Potestas et communitas. Interdisziplinäre Beiträge zu Wesen und Darstellung von Herrschaftsverhältnissen im Mittelalter östlich der Elbe, hrsg. von Aleksander Paroń, Sébastien Rossignol, Bartłomiej Sz. Szmoniewski und Grischa Vercamer, Wrocław 2010, S. 373, 35 zł, ISBN 978-83-89499-70-7.

22
Apr
Conference
Workshop „Infrastructures of Memory. Actants of Globalisation and their Impact on German and Polish Memory Culture”
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