Prof. Arnd Bauerkämper (Berlin): Der Zweite Weltkrieg im neuen Jahrtausend: Nationale Erinnerungskulturen und universalistische Narrative – gegensätzlich oder vereinbar?

Vortrag

Mo. 30.03.2020 | 17:00 Uhr
Vilnius

Der Vortrag behandelt Erinnerungen an den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und die stalinistische Terrorpolitik in Europa. Es soll gezeigt werden, dass eine in inhaltlicher Hinsicht gemeinsame europäische Erinnerungskultur auch nach 1990 nicht entstanden ist. Vielmehr erinnern Europäerinnen und Europäer Massengewalt, die den Zeitraum von 1939 bis 1945 prägte, unterschiedlich und oft sogar gegensätzlich. Insgesamt sind diese Erinnerungen umstritten geblieben, sowohl innerhalb als auch zwischen Nationalstaaten. Dieser Befund entspricht einem Untersuchungsansatz, der räumliche, zeitliche, soziale und generationelle Differenzen berücksichtigt. Im Allgemeinen sollten einschlägige Studien zum Umgang mit der jüngsten europäischen Vergangenheit das Erinnern als einen offenen und mehrdimensionalen Prozess fassen. Im Besonderen hat – wie im Vortrag argumentiert wird – die Hinwendung zu grenzüberschreitenden oder sogar universalistischen Erinnerungen an die Repressions- und Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg nationale Erinnerungskulturen in Europa neu gerahmt, aber nicht ersetzt.

Arnd Bauerkämper ist Professor für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Geschichte des Faschismus in Europa, die historische Erinnerungsforschung und die Geschichte Deutschlands nach 1945. Neueste Publikationen: German Philanthropy in Transatlantic Perspective. Perceptions, Exchanges and Transfers since the Early Twentieth Century, New York 2016 (gemeinsam mit Gregory R. Witkowski), Fascism without Borders. Transnational Connections and Cooperation between Movements and Regimes in Europe from 1918 to 1945, New York 2017 (gemeinsam mit Grzegorz Rossoliński-Liebe).

In Zusammenarbeit mit der Universität Vilnius
Veranstaltungsort: Universität Vilnius,
Fakultät für Geschichte, Raum 211

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