Das Zeitalter der Intelligenz

Gemeinsam mit dem Neriton Verlag hat das Deutsche Historische Institut in Warschau in seiner Reihe „Klio w Niemczech“ soeben eine polnische Übersetzung der Studie „Das Zeitalter der Intelligenz. Zur vergleichenden Geschichte der Gebildeten in Europa“ von Denis Sdvižkov publiziert.

Die komparative Darstellung erzählt facettenreich die Sozialgeschichte der Intelligenz in Europa am Beispiel Frankreich, Deutschland, Polen und Russland von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg, mit Exkursen in die Zwischenkriegszeit und die Nachkriegszeit. Denis Sdvižkov vertritt die These, dass eine gebildete Elite, die sich durch das Selbstverständnis einer historischen Mission auszeichnet ein Phänomen sei, das es nicht nur in Polen und Russland, sondern auch in Deutschland und Frankreich gegeben habe. Er ignoriert dabei nicht, dass sie unter verschiedenen historisch-ökonomischen Bedingungen entstanden ist;  so war die gebildete Schicht in Deutschland vom Protestantismus und dem bürgerlichen Ethos geprägt, während sie in Polen und Russland aufgrund des Mangels eines starken Bürgertums durch adlige Kultur gekennzeichnet war.
In vier Portraits zeigt der Autor die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den Gebildeten in diesen Ländern. Er untersucht u.a. ihr Verhältnis zum Staat, zur Modernisierung oder ihre Vorstellungen über eine ideale soziale Ordnung. Der Leser erfährt auch über den spezifischen Lebensstil der gebildeten Schichten in Paris, Berlin, Warschau und Moskau, „intelligente“ Topographie dieser Städte und über die Mechanismen der Elitenreproduktion und ihre Netzwerke. Das fünfte, zusammenfassende Kapitel präsentiert ausführlich den Forschungsstand zum Thema „Intelligenz“ in den vier Ländern und bietet den Überblick über die aktuellsten Forschungsfragen.

Denis  Sdvižkov, Epoka inteligencji. Historia porównawcza warstwy wykształconej w Europie [Klio w Niemczech t.17], Warszawa  2011, 311 S.,34 zł, ISBN 978-83-7543-203-9

22
Apr
Tagung
Workshop „Infrastructures of Memory. Actants of Globalisation and their Impact on German and Polish Memory Culture”
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