Juden in der Grenzregion

Als Band 24 in der Reihe „Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Institut Warschau“ ist die Monographie von Ruth Leiserowitz „Sabbatleuchter und Kriegerverein. Juden in der ostpreußisch-litauischen Grenzregion 1812-1942“ erschienen.

Die Autorin untersucht die Geschichte eines Grenzabschnittes für den Zeitraum des 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier an der ostpreußisch-litauischen Grenze, an der Nahtstelle zwischen dem Deutschen und dem Russischen Reich spielten sich vielfältige Modernisierungs-, Mobilisierungs- und Migrationsprozesse ab, die durch die Begriffe Nationalismus, Transnationalität und schließlich auch Judenvernichtung umrissen werden können. Ruth Leiserowitz geht von der These aus, dass die Juden an der ostpreußischen Grenze einen konstitutiven Faktor der Grenzregion darstellten. Sie erzählt die Geschichte einer Grenze in der Perspektive der longue durée. Die Grenzregion war Barriere, aber auch Schwelle, zeitweise scharfe Trennlinie, sie bot aber ebenso Möglichkeiten für Begegnung und Symbiose und erwies sich als jüdischer sowie transnationaler Raum. Die Darstellung versucht Phänomenen auf beiden Seiten der Grenze gerecht zu werden und schildert Entwicklungen u. a. in Memel, Tilsit, Jurbarkas und Eydtkuhnen sowie Lebenswege von Kaufleuten, Holzhändlern, Schmugglern und Hausierern. Die Auswirkungen des Krimkriegs, des Eisenbahnbaus und des Ersten Weltkrieges werden nachgezeichnet wie auch die Auswirkungen des Nationalsozialismus und der Sowjetisierung Litauens. Einen Schlusspunkt bilden eine Analyse der Massenmorde des Sommers 1941, die als „Schlüsselphase in der Geschichte des Holocaust“ zu sehen sind und die Darstellung der bisher unbekannten jüdischen Arbeitslager in Heydekrug. Die Publikation ist mit einer Landkarte sowie einem Orts- und Personenregister versehen.

Ruth Leiserowitz, Sabbatleuchter und Kriegerverein. Juden in der ostpreußisch-litauischen Grenzregion 1812-1942, Osnabrück 2010, 463 S., EUR 39,80 [Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts warschau, Bd. 24] - ISBN 978-3-938400-59-3

22
Apr
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