Call for Papers: Angewandte Geschichte: Politische Formung, kulturelle Praxis und wissenschaftliche Argumentation

Tagung des Johann Gottfried Herder-Forschungsrats und der Pädagogischen Universität Krakau in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Institut Warschau

Krakau, 2.-4. Juli 2020

History sells: Wikingerspiele, Re-Enactments, Spiel- und Dokumentarfilme, aber auch große historische Museen, Gedenkstätten und dicke wissenschaftliche Bücher – Geschichte und historische Themen erfreuen sich eines – wie es scheint – stetig wachsenden Interesses in den europäischen Öffentlichkeiten. Gleichzeitig spielt der Streit um historische Wahrheit, um Geschichts- und Identitätspolitiken eine ebenfalls zunehmende Rolle in gegenwärtigen innergesellschaftlichen wie außenpolitischen Auseinandersetzungen – und das keineswegs nur für nationalistische oder rechtsradikale Gruppierungen und ihre Vordenker, sondern auch in der staatlichen Kulturpolitik oder in der geschlechterpolitischen Debatte.

Immer wieder wird dabei der Blick auf das östliche Europa und die neuen EU-Mitglieder gelenkt, obwohl der Gebrauch von Geschichte und die Konflikte um das Wie, Warum und für Wen für ganz Europa und darüber hinaus zentrale Bedeutung haben. Die Tagung zielt nicht nur auf die Nachzeichnung aktueller Konfliktlinien, sondern soll Stellenwert und Schwerpunkte des Gebrauchs von Geschichte in Mittel- und Osteuropa von Nord- und Ostsee bis zur Adria und zum Schwarzen Meer erörtern und andere Regionen Europas vergleichend einbeziehen.

Zu den zu diskutierenden Themen gehören vergleichsweise traditionelle Felder der Darstellung von Geschichte in den Erinnerungspolitiken und im kulturellen Gedächtnis, aber auch der Gebrauch von Geschichte im Bereich von Kultur und Konsum sowie der Bezug auf Historisches als Teil von Gruppenbildungen (etwa in Re-enactments).  Ziel der Tagung ist es, die Rolle von historischen Narrationen im Kontext von Wahrheitspraktiken und ihrer politischen, epistemologischen und kulturellen Kontextualisierung zu diskutieren.

 

Mögliche Themenfelder sind:

-          Akademische und öffentliche Auseinandersetzungen über aktuelle historische Themen (auch vor dem „Jahrhundert der Extreme“)

-          Erinnerungspolitiken (Gedenkstätten, Denkmäler)

-          mediale Präsentation von Geschichte

-          Strategien des kulturellen Gedächtnisses in der Literatur, Kunst

-          Aufbewahrung und Aufarbeitung von Geschichte im Museum (sowie weitere Aspekte in diesem Umfeld).

 

Vor dem Hintergrund der interdisziplinären Bandbreite des Herder-Forschungsrats richtet sich die Tagung nicht nur an Historiker/innen, sondern wird auch andere Disziplinen (Soziologie, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaften) einbinden.

 

Tagungssprachen: Deutsch / Englisch / Polnisch

 

Vorschläge für Vorträge werden mit einem Abstract von bis zu 250 Wörtern und einem kurzen Biogramm bis zum 15.1.2020 erbeten an jorg.hackmann@usz.edu.pl und roeskaurydel@gmail.com.

 

Tagungskonzeption und -organisation:

Jörg Hackmann (Stettin / Greifswald) jorg.hackmann@usz.edu.pl

Dietlind Hüchtker (Halle / Leipzig) dietlind.huechtker@leibniz-gwzo.de

Isabel Röskau-Rydel (Krakau) roeskaurydel@gmail.com

Jan Rydel (Krakau) janrydel@gmail.com

 

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